Vorgeschichte
Wie kommt man nur auf die Idee mit einem Containerschiff zu verreisen? Als gebürtiger Hamburger wollte ich meine Heimatstadt gern einmal mit dem Schiff anlaufen. Auch den Nord-Ostsee-Kanal wollte ich schon immer gern einmal mit dem Schiff durchfahren. Und da „Musikdampfer“, Kreuzfahrer und Ausflugsschiffe so gar nicht mein Ding sind, reifte die Idee einer Frachtschiffreise. Aber da ahnte ich noch nicht auf was ich mich da einlasse, auch wenn einige Reiseberichte im Internet doch recht idyllisch klangen.
Montag 15.4.2024 Einsteigen
Durch Internetrecherche war ich auf Pfeiffers Frachtschiffreisen gestossen und ich schilderte per Email meine Wünsche: Hamburg – NordOstseeKanal – irgendwo nach Skandinavien und wieder zurück. Ich war dann doch etwas erstaunt, dass für 2024 schon fast alles ausgebucht war
Aus den doch sehr wenig noch verfügbaren Reisen buchte ich dann sicherheitshalber gleich zwei. Zunächst die MS Skalar im April für mich und dann für Mai die MS Katharina Schepers für mich und meine Frau.
Sehr schnell musste ich lernen, das Termine und Reiseroute in der Frachtschifffahrt nur eine sehr geringe Halbwertszeit haben. Ständig änderte sich der Einstiegstermin und auch das Ziel, aber durch einen regen Emailverkehr mit Pfeiffers Frachtschiffreisen war ich immer auf dem aktuellen Stand und wurde hervorragend begleitet.

Die MS Skalar lag wegen routinemäßiger Wartung in Bremerhaven, was für mich als Einstiegsort noch günstiger war. Am Freitag 12.4. war dann klar, ich kann am Montag 15.4. um 17 Uhr einsteigen und am Dienstag Morgen geht es dann los, über Hamburg nach Gdynia und Gdansk weiter nach Riga und wieder zurück nach Bremerhaven und evtl. weiter nach Hamburg. Als ich schon mit gepacktem Koffer fasst im Auto saß, kam dann ein Anruf, meine Kabine (auf Frachtschiffen heißt das Kammer) sei noch nicht frei, da die Mechaniker noch nicht fertig geworden sind. Ich könne aber trotzdem kommen oder am Dienstag früh direkt um 8 Uhr.
Meine Frau brachte mich also erst einmal nach Bremerhaven, um dann ggf. in Hafennähe für eine Nacht ein Zimmer für mich zu suchen. Natürlich war ich schon früher als 17 Uhr am Schiff, es lag an einem zugänglichen Kai in der Nähe der Nordschleuse. An Bord wurde ich äußerst freundlich von Kapitän Lienau begrüßt. Es tat ihm sehr Leid, dass er meine Kammer noch nicht fertig hatte und er bot mir an die erste Nacht im Hospital zu schlafen. Sobald die Mechaniker fertig sind, würden sie ablegen und dann könnte ich in meine Kammer umziehen.

Meine Frau durfte natürlich mit an Bord und konnte so mit anschauen wo ich die nächsten Tage verbringen werde. Es gab gleich zu Beginn eine warme Abendmahlzeit und nach der Brückenbesichtigung habe ich meine Frau verabschiedet und ich richtete mich provisorisch im Hospital ein und dann ging’s auf die Brücke zu einem Klönschnack mit dem Kapitän.
Dienstag 16.4.2024 Fertig und los
Um kurz nach sieben Uhr sitze ich beim Frühstück. Zunächst muss ich ja mal erforschen wie das auf dem Schiff so läuft. Also man meldet sich zwischen halb sieben und halb acht beim Koch und dann gibt’s auch schon eine Eierspeise, wie Omelette, Rührei, Spiegelei mit Schinken oder Speck oder Würstchen. Dazu kann man sich ein Brot machen und einen Kaffee oder Tee.
Dann habe ich viel Zeit mir erst einmal das Schiff anzusehen, denn die Monteure werden erst nach dem Mittag fertig werden. Und so wird das Schiff erst einmal von innen und außen inspiziert. Ich darf mich überall im Schiff am Kai um das Schiff herum frei bewegen. Dabei versuche ich aber den Matrosen und Monteuren so wenig wie möglich im Weg zu stehen.










Nach dem Mittagessen wird es ruhiger auf dem Schiff. Und nun kann ich auch meiner Kammer beziehen.

Die Abfahrt ist nun aber doch erst für 19 Uhr geplant. Da bin ich selbstverständlich auf der Brücke. Der Hafenlotse ist an Bord, ein Schlepper am Heck verbunden und es kann los gehen. Dann hörte ich zum ersten Mal die Hauptmaschine wummern, statt das ewige Brummen des Dieselaggregats.








Wir legen ab, und fahren langsam zur Kaiserschleuse, in einer scharfen Rechtskurve (hier ist die Schlepperunterstützung notwendig) sind wir in der Schleuse. Der Schleusenvorgang dauert nur ca.15 Minuten und es geht hinaus auf die Weser. Hier verlässt uns der Schlepper, es kommt der Lotsenversetzer und der Hafenlotse tauscht mit dem Weserlotsen, der uns bis zur Nordsee begleitet. Die See ist zunächst noch relativ ruhig, es gibt einen herrlichen Sonnenuntergang, aber je weiter wir auf die See kommen um so ruppiger wird es. Es sind ca. 7 Windstärken von vorn und das leere Schiff schaukelt und ruckelt doch enorm auf den Wellen. Ich muss mich gut festhalten auf der Brücke. Und als ich in meiner Kammer bin, wird mir sofort klar warum die vielen Haltegriffe am WC, dem Waschbecken und in der Dusche durchaus berechtigt sind. Und alles was ich sorgsam auf Tisch und Regal gestellt hatte, war irgendwo im Raum verteilt.
Mittwoch 17.4.2024 Hamburg
Um 5:30 Uhr bin ich schon auf der Brücke. Die Sonne wird bald im Osten aufgehen und wir fahren in die Morgendämmerung hinein, vorbei am Süllberg und an Teufelsbrück. Hier wechselt der Elblotse mit dem Hafenlotsen. Die Einfahrt ist traumhaft schön, davon hatte ich immer geträumt. Und es geht an die Innenpier vom CTB (Containerterminal Burchardkai).
Um 7:45 Uhr sind wir dort fest und die ersten wenigen Container werden auf das Schiff geladen. Um 9 Uhr verholen wir zum gegenüber liegenden Kai vom Eurogate. Dort gibt es noch einige weitere Container, aber die meiste Zeit liegen wir dort und warten. Es ist herrliches Wetter und ich setze mich mit einem Stuhl von der Brücke aufs Deck und genieße die Sonne und das bunte Treiben im Hafen.Nach dem Abendessen um 18:00 Uhr kommt Leben auf die Brücke, mit Hafenlotsen verholen wir durch den Köhlbrand zum CTA (Containerterminal Altenwerder) und sind dort um 19:00 fest.
Das CTA ist weitgehend automatisiert. Im gesamten inneren Bereich der Terminals sind keine Menschen. Lediglich auf der Containerbrücke sitzt eine Person und hebt mit dem Spreader den Container vom Schiff auf eine Plattform. Von da an geht alles autonom weiter. Ein weiterer selbststeuernder Kran hebt den Container von der Plattform auf ein autonom fahrendes Fahrzeug. Dieses fährt dann selbsttätig zum geplanten Containerstapel und dort hebt ein autonomer Kran den Container vom Fahrzeug auf und setzt ihn an der vorgesehenen Stelle an. Von dort geht es dann irgendwann mit einem anderen autonomen Kran weiter auf die anderen Seite der Terminals, wo dann ein durch eine Person gesteuerten Kran der Container zum Weitertransport auf einen LKW oder die Bahn gehoben wird.
Das Beladen unseres Schiffes geschieht umgekehrt. Immer wieder tauchen aus der Weite des Terminals autonome Fahrzeuge mit einem Container auf und halten unterhalb der Containerbrücke. Ein automatischer Kran hebt den Container auf die Plattform und von der geht es handgesteuert aufs Schiff. Das faszinierende ist, dass das gesamte innere Terminal nicht beleuchtet ist. Die Fahrzeuge finden auch ohne Licht ihren Weg. Und so tauchen aus dem Dunkel immer wieder neue Container auf und verschwinden irgendwo.

Donnerstag 18.4.2024 Hamburg Brunsbüttel
Auch heute frühes Aufstehen. Um 5:30 Uhr verholen wir vom CTA zum CTT Containerterminal Tollerort). Eine wunderschöne Fahrt in die aufgehende Sonne. Um 6:30 Uhr sind wir dort fest und bekommen ein paar weitere Container.
Da unser nächster Liegeplatz (wieder am CTB) noch belegt ist, verholen wir um 9:00 an einen weiter südlich gelegenen Teil der Pier um dort zu warten. Eine gute Gelegenheit das Hafentrieben hier zu beobachten.
Aber um 14:00 ist es soweit. Erneut kommt ein Hafenlotse und wir verholen wiederum ans Burchardkai CTB, diesmal liegen wir am Außenkai also quasi direkt in der Elbe.
Und endlich, um 19:00 Uhr sind wir fertig beladen und es geht Elbabwärts nach Brunsbüttel, und von dort durch den Kanal nach Kiel und dann weiter nach Gdynia (Gdingen) und Gdansk (Danzig) um schließlich nach Riga zu fahren.
Interessant wie so etwas in der Realität aussieht. Da bin ich mal gespannt wie es weitergeht :-). Ich hoffe deine Habseligkeiten haben sich nicht weiter verselbstständigt sondern sich zum Abschluss alle im Koffer wiedergefunden :-).
Hm, habe ich richtog mitgezählt, so ein kleiner niedlicher Dampfer wird im Hamburger Hafen 4* umgeparkt um jeweils den ein oder anderen Container aufzunehmen?
Gruß
Georg
Wir wurden sogar 6 mal umgeparkt 🙂
Wir sind leer von Bremen gekommen und haben dann ausnahmsweise alles eingesammelt. Normalerweise sind es 2 bis 3 Terminals. Für uns war es CTB innen -> Eurogate -> CTA -> CTT (Anleger 1) -> CTT (Anleger 5) -> CTB außen
Lieben Gruß
Jens