04-2024 (2) – Mit dem Containerschiff in die Ostsee


Freitag 19.4.2024 Kielkanal und westliche Ostsee

Als ich aufwache, sind wir schon im Kanal unterwegs, also keine Eile und in Ruhe duschen und frühstücken. Um 7:15 bin ich dann auf der Brücke. Neben dem Kapitän sind noch der Lotse und zwei Kanalsteuerer auf der Brücke. Im Kanal dürfen nur ausgebildete Steuerer fahren. 

Jedes Schiff wird in eine Verkehrsgruppe zwischen 1 und 6 eingeteilt. Im Kanal begegnen dürfen sich nur zwei Schiffe deren Verkehrsgruppenzahl zusammen 7 oder kleiner ist. Für alle anderen Begegnungen gibt im Kanal bestimmte Weichen an denen sich Schiffe langsam begegnen können der Verkehrsgruppensumme größer 7 ist. Wir sind Verkehrsgruppe 5 und haben damit die Chance häufiger einmal in einer Weiche auf Gegenverkehr zu warten.

Gegen 9:30 ist Lotsenwechsel, die Kanalsteuerer wechseln sich nicht ab und fahren durch. Kurze Zeit später erreichen wir Rendsburg mit der eisernen Lady, einer langen Eisenbahnbrücke an deren Konstruktion auch eine Schwebefähre hängt.

Das letzte Viertel des Kanals ist besonders eng. Hier sind keine Begegnungen möglich. Der Kanal wird hier zwar gerade verbreitert, aber durch die Bauarbeiten ist die Durchfahrt noch viel schwieriger.

In der Kieler Schleuse sollen wir Verpflegung bekommen. Sechs Paletten sind angekündigt. Besonders knapp an Bord wird aktuell das „stille Wasser“.

Wir erreichen die Schleuse um 12:40 und die Verpflegung ist nicht da! Auch hektische und wütende Anrufe beim Lieferanten können nichts ändern. Die Ware liegt zwar an der Schleuse aber die Leute die es zum Schiff bringen sollen, haben das wohl verschlafen. Wir liegen auch vor einem anderem Schiff in der Schleuse und müssen also raus. 

Und so geht  es ohne neue Verpflegung Richtung Ostsee. Um 14:30 passieren wir den Leuchtturm in der Kieler Förde und dann ist vor allem Wasser zu sehen.

Samstag 20.4.2024 Gdynia (Gdingen)

Um 11:30 erreichen wir den Containerhafen von Gdynia. Ich beobachte wieder das Ent- und Beladen und wie die Arbeit am Terminal organisiert ist.

Nach der Entladung gibt es neue Container

Nach einem tollen Sonnenuntergang gehe ich schlafen und bekomme überhaupt nicht mit, wie wir nachts an ein anderes Terminal verholen. Es liegt aber auch nur wenige hundert Meter weiter.

Sonntag 21.4.2024 Gdansk (Danzig)

Um kurz nach 15 Uhr sind wir fertig beladen und wir können umziehen nach Gdansk. Es ist ja nur sozusagen einmal über die Bucht und so sind wir schon um 16:30 fest in Gdansk.

Mahlzeiten

Was gibt es eigentlich so zu essen an Bord? Es ist irgendwie wie früher zu Hause: Es wird gegessen was auf den Tisch kommt. Es gibt also keine Speisenauswahl. Dafür gibt es dreimal am Tag warmes Essen. Frühstück um 7 Uhr, Mittag um 12 Uhr und Abendessen um 17 Uhr. Das Essen ist eher deftig und die Portionen reichlich. Mit etwas Mühe konnte ich den Koch davon überzeugen, dass eine halbe Portion für mich mehr als genug ist. Als Passagier esse ich in der Offiziersmesse. Die Matrosen – alle sind von den Philippinen – essen in einer eigenen Messe und bekommen auch ein eigenes Essen nach ihrem Geschmack, also Reis, Huhn und scharfe Soßen. Für die westlichen Offiziere – aus Deutschland, Ukraine und Rußland – und mich gibt es eher westliches Essen.

Mit der Be- und Entladung geht es recht zügig und um 22:30 Uhr verlassen wir Gdansk Richtung Norden. Es weht ein recht kräftiger Wind aus Nordwest mit 4-5 Windstärken, der nachts noch auf 7 zunehmen soll. 

Die unruhige See ist im Bett gut zu spüren, aber ich schlafe trotzdem gut.

Montag 22.4.2024 nach Riga

Der Montag ist von Wind und Wellen geprägt. 7 Windstärken schräg von vorn, da muss das Schiff gut arbeiten.

Und vom Kaptitän schaue ich mir dann auch den „Seemansgang“ ab.

„Seemansgang…“

Gegen 22:00 erreichen wir Riga und er Lotse begleitet uns bis zum BCT (Baltic Container Terminal)  an dem wir um 22:30 fest sind. Ich falle todmüde ins Bett. So erholsam war der Schlaf letzte Nacht dann wohl doch nicht.

Dienstag 23.4.2024 Von Riga Richtung Kiel

Oh, es hat geschneit heute Nacht! Nach dem Frühstück sehe ich eine Bunkerbarge neben unserem Schiff. Also bekommen wir wohl Treibstoff, aber nein es wird Schweröl abgepumpt das nicht den Qualitätsansprüchen der Reederei genügt. Die Bunkerbarge wirkt sehr alt und der Chief (1. Offizier der Maschine) meint, es sei ein Dinosaurier und das Abpumpen würde mindesten 7-8 Stunden dauern. Um 12 Uhr müssen wir dann zu einem anderen Terminal zum RUT Terminal verholen und es kommt ein Schlepper, denn die Bunkerbarge muss mit und kann selbst nicht fahren

Am neuen Terminal wir mit traditionellen Kränen abgeladen. Es wirkt sehr unmodern und altmodisch, funktioniert aber erstaunlich gut.

Gegen 20 Uhr machen wir uns dann auf den Rückweg Richtung Kiel.

Mittwoch 24.4. 2024 Ostsee 

Bei traumhaftem Wetter und sehr ruhiger See genieße ich diesen „Seetag“ sehr.

Ruhige See – endlose Weite

Donnerstag 25.4.2024 Fehmarnbelt Kiel NOK

Gegen 9:30 Uhr erreichen wir den Fehmarnbelt, gegen 12:00 dann den Kieler Leuchtturm. Wir passieren Kiel Friedrichsort und melden uns für die Schleuse ein. Nach kurze Wartezeit dürfen wir. in die Schleuse… und hurra 6 Paletten mit Verpflegung stehen diesmal für uns bereit.

Das Wetter wird zwar schlechter, aber trotzdem genieße ich die Fahrt durch den Nordostseekanal, vor allem auf „Augenhöhe durch die Rapsfelder zu fahren ist sehr ungewöhnlich. Um 18:10 dann der Lotsenwechsel, ein grandioser Sonnenuntergang bleibt leider aus und lange vor der Brunsbütteler Schleuse bin ich schon in der Koje. Eine Fahrt durch den Kanal dauert nämlich zwischen 10 und 15 Stunden.

Rapsfahrt…

Freitag 26.4.2024 Bremerhaven

Ein letztes Mal früh Aufstehen. Der Hafenlotse Bremerhaven kommt um 6:45 an Bord und bereits um 7:30 sind wir fest in Bremerhaven am Eurogate.

Eine faszinierende Seereise geht zu Ende. Kurze Zeit später bin ich am Bahnhof Bremerhafen und kurz nach Mittag schon zu Hause in Bramsche. Es ist Freitag und ich ahne nicht einmal, dass ich bereits am Montag Abend schon in Hamburg auf dem nächsten Schiff sein werde, der „MS Katharina Schepers“. Aber das ist eine neue Geschichte.

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5 Kommentare

  1. Moin! Wieder sehr schön beschrieben. Den NOK haben Hildburg und ich viele male mit unserer Segelyacht durchfahren. Auch wir mussten oft in den Weichen warten. In Kiel haben wir uns auch immer bei dem Schiffshändler Tiessen verproviantiert, ehe wir weiter nach Dänemark und Schweden gesegelt sind. Vielen Dank für Deinen Bericht.

  2. Eine gut gelungene Reportage. Macht geradezu Lust auf ‚meer‘.

    Gruß in den Norden

    Georg

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