05-2024 (1) Ostsee die Zweite


Aufregender Start

Eigentlich wollten Elke und ich am 5.5. von Hamburg durch den NOK ins Baltikum und zurück nach Hamburg reisen. Aber der Fahrplan hatte sich geändert: Einstieg wäre am 10.5. in Hamburg, also genau zum Hafengeburtstag. Dann neue Änderung: die Reise könnte in Bremerhaven beginnen und dann bereits am 3.5., allerdings ohne Hamburg dann direkt durch den Nord-Ostsee Kanal. Dann plötzlich wieder alles anders, die Katharina Schepers fährt jetzt von Rotterdam direkt durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Skandinavien und zurück nach Rotterdam. Einstieg ginge also nur in Brunsbüttel am Kanal, dann am 2./3.5. in Brunsbüttel, kann aber auch mitten in der Nacht sein. Nach einiger Überlegung dann doch lieber in Rotterdam einsteigen. Wieder alles umplanen… am 1.5. nach Rotterdam und dann eine Übernachtung und dann am 2.5. im RST Containerterminal einsteigen. Am 29.4. kam dann noch ein Anruf, der Einstieg wäre am 3.5. vormittags in Rotterdam oder doch in Hamburg, dann aber direkt heute am 29.4. abends. Wieder überlegen und dann… Beschluss: Urlaub mit den Arbeitgeber klären, Kofferpacken und dann heute Abend in Hamburg einsteigen. Route Hamburg – Rotterdam – NOK – Helsinki – Tallin – Riga – NOK – Hamburg. Noch während wir packen und überlegen wo wir unser Auto in Hamburg für die 10 Tage abstellen, da sehe ich im Unifeeder Fahrplan eine neue Änderung. Die Katharina Schepers fährt künftig nicht mehr über Hamburg, also auf dem Rückweg von Riga direkt zurück nach Rotterdam. Noch einmal umplanen, Bahnfahrt nach Hamburg gebucht, dann sind wir unabhängig und können auf dem Rückweg entweder nach Rotterdam fahren oder im NOK aussteigen. Ein wirklich aufregender und wenig erholsamer Start in unsere Reise.

Montag 29.4.24 Hamburg

Die Anreise nach Hamburg verläuft dann aber ohne Probleme. Mit dem ICE nach Hamburg-Altona, noch einen Happen essen und auf YouTube im Lifestream „Hamburg Hafen Live“ zufällig mitverfolgen wie die Katharina Schepers zum Eurogate einläuft. 

Dann ging es mit dem Taxi zum Eurogate Containerterminal. Dort wußte man leider noch nichts von uns, aber mit unseren Pässen und unserem Reisevertrag und einigen Diskussionen brachte uns der Shuttle dann von der Rezeption zur Katharina Schepers, die erst vor 45 Minuten festgemacht hatte. Der wachhabende Matrose brachte uns zu unserer Kammer, leider die kleinere der beiden Doppelkabinen, denn die größere war noch mit einem Passagier besetzt. Das wars! Nun waren wir auf uns gestellt. Es kümmerte sich erst einmal keiner weiter um uns. Wir besuchten also erst einmal die Brücke in der Hoffnung den Kapitän zu finden, aber dort saß nur der andere Passagier und so konnten wir uns ein wenig über die Zeiten (Essen) an Bord und sonstigen Gepflogenheiten austauschen. Gegen 22 Uhr konnten wir noch das Einlaufen des größten deutschen Containerschiffs, der Berlin Express von Hapag Lloyd direkt am Liegeplatz neben uns bestaunen. Dann kam plötzlich Leben auf die Brücke, Lotse, Kapitän, Offiziere – keine Ahnung wer wer war und es interessierte sich auch niemand für uns. Die Katharina Schepers wurde noch einmal „um die Ecke“ zum CTB (Burchardkai) verholt und um 23 Uhr waren wir dann doch froh auf die Kammer zu gehen und zur Ruhe zu kommen. Eine ruhige Nacht, nur gelegentlich spürten wir das Ruckeln, wenn Container abgeladen wurden.

Dienstag 30.4.2024 Hamburg – Nordsee

Der Wecker klingelt um 6:00 Uhr, denn um 7 Uhr gibt es Frühstück. Aber schon bevor wir aufgestanden sind, wurde das Schiff vom CTB zum CTA (Containerterminal Altenwerder) verholt. Direkt nach dem Frühstück sind wir daher auf der Brücke, um das Verladen der Container zu beobachten. Das CTA ist das modernste der 5 Hamburger Containerterminals.  Mit einer Containerbrücke werden die Container vom Schiff geholt und auf einer Plattform auf dem unteren Teil des Krans abgestellt. Dies macht ein Kranführer quasi manuell. Auf der Plattform werden die Twistlocks von zwei Arbeitern entfernt, das sind die Metallteile, welche zwei aufeinander stehende Container verbinden. Von da ab geht alles weitere vollautomatisch, computergesteuert, ohne das manuell eingegriffen wird. Ein automatisch gesteuerter Kran hebt den Container von der Plattform und stellt ihn auf einen Wagen, der dann autonom, softwaregesteuert zu einem großen Containerlager bringt. Dort hebt ein weitere automatischer Kran den Container ab und stellt ihn auf dem vorgesehenen Lagerplatz wieder ab. Später wird er von dort ebenfalls automatisch wieder abgeholt und auf den anderen Seite des Lagerplatzes an einen LKW oder die Bahn zum Weitertransport übergeben. Dieser riesige automatisierte Containerlagerplatz ist komplett menschenleer und wird nachts auch nicht beleuchtet. Die automatischen Kräne und Wagen finden alle Positionen auch ohne Licht.

Die Beladung eines Schiffes erfolgt genau umgekehrt, aber wir erhalten keine Container. Das Schiff wird komplett geleert. 

Gegen 10:30 Uhr ist das Schliff leer und der Hafenlotse kommt an Bord. Leinen los und es geht durch den Köhlbrand, unter der Köhlbrandbrücke hindurch auf die Elbe. Nach kurzer Zeit ist Lotsenwechsel, Höhe Teufelsbrücke geht der Hafenlotse von Bord und der Elblotse kommt. Er wird uns bis Brunsbüttel begleiten. Es geht vorbei am Süllberg, dem Falkenstein Ufer, Wedel und Hetlingen, Stade und Glückstadt. Die Elbe wird breiter und es kommen uns einige Schiffe entgegen, so auch die Hapag Lloyd Valparaiso Express.

Gegen 14 Uhr ist bei Brunsbüttel erneut Lotsenwechsel. Der Elblotse geht von Bord und wird abgelöst durch den Seelotsen, der uns bis in die Nordsee begleitet. Das Lotsenschiff erreichen wir gegen 16:15 und hier setzt der Lotse über und wartet auf dem Lotsentender auf einen Auftrag von der Nordsee nach Brunsbüttel.

Nun fahren wir über die Nordsee entlang den ostfriesischen und westfriesischen Inseln in einem leichten Bogen schließlich Richtung Süden. Inzwischen konnten wir auch in die größere der beiden Kammern umziehen, denn der andere Passagier war im CTA ausgestiegen.


Nach dem Sonnenuntergang ziehen wir uns jedoch in unsere Kammer zurück und fallen müde ins Bett.

Mittwoch 1.5.2024 Reede Rotterdam

Um 8 Uhr sind wir wieder auf der Brücke. Wir sind kurz vor Rotterdam. Unser Liegeplatz am Terminal ist aber erst morgen früh um 4 Uhr frei, also heißt es warten. Von „Rotterdam Approach“ wird uns ein Ankerplatz auf der Reede 5 zugewiesen. Wir gleiten immer langsamer werdend dort hin, halten schließlich an. Der Anker fällt. Dabei ist es nicht der Anker selbst, der das Schiff hält sondern die Reibung der auf dem Grund liegenden Ankerkette. So werden nach und nach rund 150 bis 200 Meter Ankerkette abgelassen. Das Meer ist an dieser Stelle nur 25 bis 30 Meter tief.

Der Anker liegt und die Maschine wird abgestellt. So verbringen wir einen sehr ruhigen und sonnigen 1. Mai auf dem Meer außer Sichtweite von Rotterdam. Aber auf der Brücke sind wir so hoch, dass der Internetempfang vom Festland gut funktioniert. Die Besatzung verbringt die Zeit neben der Arbeit auch mit Angeln und wir beobachten wie immer neue Schiffe auf Reede gehen und andere wieder verschwinden. Der Wind nimmt etwas zu und ändert die Richtung. Dadurch ändert sich auch die Position der Schiffe zueinander. Und Schiffe die nur von hinten gesehen hatten, sehen wir plötzlich von der Seite.

Ein ruhiger entspannter Tag, den wir auch nutzen um ein paar Süßigkeiten für die Matrosen und Offiziere in die jeweiligen Messen zu stellen.

Zum Essen treffen sich die Matrosen und die Offiziere in jeweils einer eigenen Messe, nicht wegen des Rangunterschiedes, sondern weil die Matrosen von den Philippinen sind und ein anderes, ein Asiatisches Essen mögen, während die Offiziere die westliche Küche bevorzugen.

Donnerstag 2.5.2024 Rotterdam World Gate – Rotterdams South Terminal (RST)
Die Einfahrt nach Rotterdam Maasvlakte (RWG) verschlafen wir. Nachts um zwei merken wir zwar wie die Maschine angeworfen wird, aber das Bett ist dann doch gemütlicher. 
Aber morgens um 7 sind wir schon wieder auf der Brücke, um das Beladen des Schiffes zu beobachten. Wir könnten uns auch einen Helm schnappen und das Spektakel von draußen anschauen, aber dort wuseln neben den Matrosen auch die Lademeister vom Terminal und die sogenannten „Lascher“, die auch von Land kommen und die Container befestigen herum. Bei den engen Gängen auf dem Schiff würden wir da nur im Weg stehen. Und von der Brücke hat man einen guten Überblick über das ganze Geschehen. Und das ist wirklich beindruckend! Auch hier ist alles automatisiert, aber es sind deutlich mehr autonome Wagen unterwegs und Kräne im Einsatz als in Hamburg Altenwerder. Wir können uns gar nicht satt sehen an diesem „Container-Tetris“. Wie von Geisterhand gesteuert tauchen immer wieder neue autonome Wagen vor den Kränen auf. Diese heben die Container dann nach einem kaum durchschaubarem Muster aufs Schiff, erst unter Deck und wenn dort voll ist wird die Klappe geschlossen und es geht auf dem Deck weiter. Mal hier hin mal dort hin, das System erschließt sich dem Zuschauer nicht. 


So stehen dann auf einer „Bay“ – so nennt man die Containerreihen von Backbord bis Steuerbord – jeweils außen drei Container übereinander, während die Mitte komplett leer bleibt. 
Hier wird auch die Bay1 beladen, die direkt vor unserem Fenster nach vorn liegt. Aber wir haben ja noch ein Fenster zur Steuerbordseite.

Das Rotterdam World Terminal ist riesig! Allein an unserem Terminal liegen außer uns und zwei kleinen Schubverbänden noch 3 (!!) große Containerschiffe der 400m Klasse. Und von Deck aus sehen wir noch zahlreiche weitere Terminale.

Am Nachmittag wird es kühler und Nebel zieht auf. Die Containerterminals hüllen sich in ein unwirkliches Grau.
Um 18 Uhr kommt der Lotse an Bord, während noch die letzten beiden Container verladen werden und es geht los. Wir verholen zum Rotterdam South Terminal. Dies liegt sehr viel näher am Zentrum Rotterdams. Es geht also die Maas hoch und mitten im Containerhafen haben sich rund 30 Robben häuslich niedergelassen. und wir erreichen um kurz nach 20 Uhr unseren Liegeplatz. Kurze Zeit später fährt an uns die Hennecke Rambow vorbei, auch ein Containerfeeder der von Hamburg kommend nun weiter nach Spanien und Marokko fährt.
Das Laden beginnt kurze Zeit später und begleitet uns mit Unterbrechungen die ganze Nacht.  Da die Maschine nicht läuft einer ruhige Nacht, ohne Getucker und Vibrationen.

Freitag 3.5.2024 Rotterdam – Nordsee
Am Vormittag können wir noch das Laden weiter beobachten, das aber keine automatischen Elemente hat und daher schon spürbar langsamer geht. Dazu gesellt sich leichter Dauerregen.
Um 11 Uhr ist der Lotse an Bord und es geht los. Zunächst wieder gut 2 Stunden die Maas flußabwärts und dann in die Nordsee. Hier geht der Lotse von Bord um auf einem Lotsentender auf eine Rückfahrgelegenheit zu warten. Bei 4 Windstärken ist das Umsteigen sicher kein Vergnügen. 
Wir machen uns mit 4 – 5 Windstärken Rückenwind auf den Weg erst nach Norden und dann in großem Bogen rechts herum Richtung Cuxhaven.

Frage an den Kapitän: Wann werden wir die Schleuse in Brunsbüttel erreichen? Wir sind angekündigt für ca. 5:30 Uhr. Es heißt also mal wieder seeehr früh raus für uns.

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1 Kommentar

  1. Hallöchen, wir stehen in den Startlöchern für eine fünfte Frachtschiffreise, diesmal auch mit der Katharina Schepers. Hrzlichen Dank für euren umfangreichen Reisebericht, den ich gleich lesen werde. Da ich schon seit Monaten die Sailing list beobachte, habe ich das Desaster mit Rotterdam und die ständigen Planungsänderungen mitbekommen. Vielleicht habt ihr schon Filme von unseren Frachtschiffreisen gesehen. Ciao khi

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