Samstag 4.5.2024 Nordsee – Brunsbüttel – NOK – Kiel – Ostsee
Der Wecker klingelt um 4:30 und schon um 5:00 Uhr sind wir auf der Brücke. Durch den Rückenwind sind wir sogar etwas früher in Brunsbüttel, aber die Schleuse ist noch besetzt, also geht es erst einmal auf die Nordreede (ohne zu ankern), um dort abzuwarten. Mit uns warten noch ein paar weitere Schiffe und nachdem die Leitstelle alles sortiert hat, heißt es um 5:30 Uhr: Neue Südschleuse auf der Südseite können wir rein. Und auch wenn ich dachte, schon unser Schiff allein passt da nur schwer hinein, waren außer uns schließlich noch drei weitere Schiffe in unserer Schleusenkammer – einfach faszinierend.





Die Schleusung selbst war unspektakulär, man bemerkt nichts davon. Und nach Öffnung des Schleusentores machten sich alle Schiffe in Reih und Glied auf den Weg nach Kiel. Der Verkehr im Kanal ist genau reglementiert. In der Schleuse an Bord gekommen sind ein Kanallotse und zwei Kanalsteuerer. Der Kapitän und erster und zweiter Offizier haben also erst einmal Pause. Überholt wird im Kanal nicht und für die Begegnung mit den südgehenden Schiffen gibt immer wieder sogenannte Weichen, also Begegnungsstellen. Und wir hatten großes Glück wir mussten an keiner diese Begegnungen warten, allenfalls mal etwas langsamer fahren. Und so dauerte die Kanalfahrt für uns nur 10 Stunden. Mit mehr Pech und Wartezeiten kann so eine Kanalquerung auch schon einmal 12 oder 15 Stunden dauern.






Es geht durch idyllische Landschaften. Rapsfelder sind auf der ersten Hälfte kaum zu sehen. Es ist Marschland, schwerer Boden. Kurz vor Rendsburg wechselt der Lotse, aber die Kanalsteuerer fahren durch bis Kiel. Nach Rendsburg zeigen sich dann auch einige Rapsfelder am Kanal und es heißt mit dem Schiff durch die Rapsfelder.









Kurz nach 15 Uhr erreichen wir Kiel-Holtenau. Die ankommenden Schiffe werden auf beide Schleusen verteilt, denn beide sind gerade frei. Und so kommen wir schnell durch und fahren die Kieler Förde hinaus zwischen unzähligen Seglern, denn es ist Wochenende.





Am Kieler Leuchtturm wird der Lotse abgeholt und nun liegt eine lange Ostseefahrt vor uns. Die See ist ruhig, gegen Abend wird es etwas dunstig. Nach dem Abendessen kommt uns noch die MS Skalar entgegen, das Schiff meiner vorherigen Reise.

Sonntag 5.5.2024 Ostsee

Als wir morgens auf die Brücke kommen stampft die Katharina Schepers mit 16,5 Knoten, also rund 30 km/h durch dichten Nebel. Der Himmel ist zwar zu sehen, aber über dem Wasser liegt „weiße Watte“. Kapitän Sokolov erklärt uns, dass es kein Problem sei, auf dem Radar würde er bei dieser ruhigen See alle Hindernisse rechtzeitig sehen. Lediglich sehr kleine Boot, z.B Ruderboote wären schwierig zu erkennen, aber soweit vom Land entfernt ist das sehr unwahrscheinlich. So gleiten wir entspannt dahin. Die Sonne scheint und der Nebel lichtet sich. Am Horizont erscheinen manchmal andere Schiffe und wir schauen in der App, woher sie kommen und wohin sie fahren, bevor sie wieder im Nichts verschwinden.
Nach dem Mittagessen fragt uns der Chief (1. Offizier der Maschine) ob wir den Maschinenraum einmal sehen wollen. Welche Frage, diese Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen. Nach ausführlicher Instruktion nichts anzufassen und auch nicht versehentlich irgendwelche Knöpfe zu verstellen, steigen wir ein Deck hinab. Im Leitstand können wir uns noch gut unterhalten und wir erhalten einige Erklärungen. Das Schiff ist wie eine kleine Stadt völlig autark. Den Strom erzeugen bis zu drei Dieselgeneratoren, auf See macht das ein Generator der an der Antriebswelle hängt. Es gibt eine Frischwasseraufbereitung in der Seewasser zu Brauchwasser gemacht wird, zum Duschen, Waschen, Kochen und Deck reinigen. Trinkwasser gibt es in Plastikflaschen. Abwasser wird gereinigt und das saubere Wasser ins Meer geleitet. Auch Müll kann hier zum Teil verbrannt werden.
Dann bekommen wir Ohrenschoner (MickyMäuse) und es geht zur eigentlichen Maschine. Vorher werfen noch einen Blick in die komplett ausgestattete Werkstatt inkl. Drehbank.
An der Maschine herrscht ohrenbetäubender Lärm und es ist kuschelig warm. Die 8 Zylinder Dieselmaschine liefert 26.270 KW (=35.229 PS) und dreht mit 500 U/m, ein Getriebe reduziert die Drehzahl der Welle auf 90 bis 120 U/m. Der Propeller ist ein Verstellpropeller, der Schub wir also nicht durch die Drehzahl der Welle, sondern durch Änderung des Winkels der Propellerblätter erreicht.
Alles ist sehr spannend und interessant.





Nach dem Abendessen haben wir ein entspanntes Gespräch mit Kapitän Sokolov über alle möglich Dinge. Die Situation für die ukrainischen Offiziere ist nicht einfach, denn sie können nicht in die Ukraine reisen, ohne zum Militärdienst eingezogen zu werden. Wenn die vier Monate Dienst auf dem Schiff um sind, wird er nach Bulgarien reisen und dort seine Frau und Kinder treffen. In seiner Heimat ist er seit 5 Jahren nicht mehr gewesen. Nach 2-3 Monaten Urlaub geht es dann wieder aufs Schiff.




Für uns sschwer vorstellbar bei der schönen ruhigen Stimmung auf See. Nachdem wir uns ausgiebig den Sonnenuntergang angeschaut haben, ziehen wir uns auf unsere Kammer zurück.
Montag 6.5.2024 Helsinki
Um 6 Uhr ist die Nacht zu Ende. Die Einfahrt nach Vousaari (dem Containerhafen von Helsinki) steht an. In allerschönstem Licht geht es um 7 Uhr in die Schären und schon um 7:30 sind wir am Terminal Steveco fest. Das Terminal liegt mitten im Schärengürtel.









Schönes Wetter, klarer Himmel aber mit 4 Grad sehr kalt. Der Wind tut dann sein Übriges. Aber von unserer „guten Stube“ auf der Brücke können wir das Treiben im Terminal wunderbar betrachten.





Und es gibt erfreuliche Nachrichten! Der Unifeeder Fahrplan ist mal wieder geändert worden und es geht nun doch nach Hamburg bevor es dann zum Zielhafen Rotterdam geht. Kapitän Sukolov bestätigt uns, das Container für Hamburg an Bord sind 😃 und daher werden wir am 11.5. in Hamburg aussteigen können.

Am Nachmittag schnappen wir uns Sicherheitsweste und Helm und gehen vom Schiff herunter um es auch einmal von außen zu sehen und ein paar Fotos zu machen.






Und der Koch und einige Matrosen nutzen den freien Abend für einen Schaufensterbummel im örtlichen Einkaufszentrum
Dienstag 7.5.2024 Muuga (Tallinn)




Abfahrt Helsinki 5:30 Uhr. Als die Maschine anspringt, springen wir schnell aus dem Bett, in die Klamotten und gehen die zwei Decks hinauf zur Brücke. Die Ausfahrt wollen wir nicht verpassen. Das Licht ist nicht so schön wie bei der Einfahrt, aber es lohnt sich trotzdem. Um 6:00 Uhr ist der Lotse von Bord und wir springen unter die Dusche. Um 7 Uhr gibt es Frühstück. Die Fahrt über den finnischen Meerbusen ist nicht so weit und da wir erst um 16 Uhr einen Liegeplatz in Muuga (der Hafen von Tallinn) haben, tuckern wir gemütlich mit 8 Knoten, später nur mit 5 Knoten vor uns hin. Trotzdem erreichen wir schon gegen 11 Uhr die Nähe des Hafens. Der Lotse kommt an Bord und sagt der Liegeplatz wäre frei, aber der Ladevorgang beginnt erst um 16 Uhr. Also sind wir um 12 Uhr am Kai und können nach dem Mittagessen wieder dem Treiben im Terminal zuschauen. Pünktlich um 16 Uhr beginnt dann die Ent- und Beladung. Um 23 Uhr legen wir wieder ab Richtung Riga. Wir bekommen das aber nicht mit, denn wir liegen schon in der Koje.







Mittwoch 8.5.2024 Riga
Als wir aufstehen (6:30 Uhr) sind wir schon lange auf dem Meer. Wir erreichen Riga gegen 17:00. Unser Liegeplatz ist wieder weit außerhalb der Stadt in einem Industriegebiet. An diesem Terminal gibt es keine Containerbrücken, sondern zwei Kräne. Das wirkt zunächst so, als würde Ent- und Beladen ewig dauern, aber nachdem begonnen wurde legen die Arbeiter ein unglaubliches Tempo vor, auch wenn die Kisten deutlich härter angefasst wurden als in anderen Terminals.




Erfreulicherweise kommt heute die monatliche Proviantlieferung. In den letzten Tagen waren vor allem Obst und Gemüse ausgegangen, was des Speiseplan doch etwas eingeschränkt hat. Um 0:40 verlassen wir Riga wieder.
Donnerstag, 9.5.2024 Ostsee
Als wir um kurz vor sechs aufwachen, verlassen wir gerade den Rigaischen Meerbusen. Der Himmel ist grau bedeckt, aber es ist trocken. Heute ist Himmelfahrtstag, aber dies wird eine extrem ruhige Vatertagstour.




Den ganzen Tag geht es mit gemütlichen 14,5 Knoten nach Südwesten, Kurs 240 Grad in Richtung auf die Südspitze von Gotland zu.
Das rhythmische Tuckern der Maschine ist allgegenwärtig und begleitet uns immer und überall, auch bis hinauf zur Brücke… und den ganzen Tag kein Internet
Freitag 10.5.2024 Ostsee-Kiel








Ein weiterer „Seetag“. Sie See ist ruhig und es geht stetig Richtung Kiel. Gegen 12:30 Uhr passieren wir den Fehmarn Belt und erreichen gegen 16 Uhr den Leuchtturm der Kieler Außenförde. Der Lotse kommt an Bord und bringt uns, mit kurzer Wartezeit in die Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals. Und auch bei grau bedecktem Himmel ist die Fahrt durch den Kanal ein tolles Erlebnis
Samstag, 11.5.2024 Elbe Hamburg
Als wir aufwachen sind wir schon auf der Elbe und es zieht uns natürlich auf die Brücke, denn die Einfahrt nach Hamburg ist immer wieder schön, gerade im beginnenden Tageslicht. Kurz vor halb acht kommt schon der Hafenlotse an Bord und begleitet uns das letzte Stück in den inneren Teil des CTB (Burchardkai), wo wir um kurz nach acht Uhr bereits fest sind. Die Formalitäten sind schnell erledigt und wir gehen von Bord.








Der Shuttle bringt uns zum Eingang des Terminals und nach kurzer Zeit sitzen wir im Taxi zum Bahnhof Hamburg-Altona. Dort haben wir direkt Anschluß und sitzen schon um 9:29 Uhr im ICE nach Osnabrück. Und so sind wir schon um halb eins zu Hause in Bramsche.
eine beeindruckende und interessante Reise geht zu Ende. Es war ganz sicher nicht die Letzte Containerschiffreise 😉
Bleibt gespannt…
Hurra, der Abo-Zwang ist weg. Kannst du berichten wie das einzustellen ist?
Keine Ahnung, habe nichts verändert, da ich nichts brauchbares gefunden hatte
Sehr gelungener Bericht. Wieviele Bücher wurden denn zum Zeitvertreib benötigt? 🙂
Danke Georg, wir hatten genug zu lesen mit, aber letztlich nicht mal eines angefangen. War einfach entspannend und spannend zugleich