Am Mittwoch, dem 5. Juni kam eine Email von Pfeiffers Frachtschiffreisen: Durch eine Absage könne ich kurzfristig eine Reise nach Norwegen mitmachen. Allerdings ist der Einstieg bereits am Samstag oder Sonntag. Ich brauchte da nicht lange überlegen und habe direkt zugesagt. Eine paar Termine wurden verschoben und am Freitag kam die Nachricht: Einstieg in Hamburg am Terminal Tollerort (CTT) am Sonntag Nachmittag. Ruckzuck meine Sachen zusammengesucht, Fahrkarte gekauft und ab nach Hamburg. Und so stand ich – etwas aufgeregt – am Sonntag Nachmittag am CTT. Der Shuttle brachte mich zum Schiff, die MS Rumba und dort wurde ich freundlich aufgenommen und konnte direkt meine Kammer beziehen. Die MS Rumba fährt für die Arctic Container Line, einer jungen norwegischen Reederei. Der Kapitän Lars Olav Ramfjord ist Norweger und so konnte ich meine Norwegischkenntnisse gleich einsetzen. Der Rest der Crew kam aus Russland, Ukraine, Litauen und Lettland.

Eine ausgesprochen große und gemütliche Kammer, mit separatem kleinen Schlafraum, sowie Dusche und WC sollten mein Zuhause für die nächsten 8 – 10 Tage sein.

Auf dem Schiff war es ruhig. Am CTT ist am Sonntag kein Betrieb. Und so hatte ich eine gute Gelegenheit das Schiff kennenzulernen. Nach dem Abendessend (sehr lecker) und einer weiteren Runde auf dem Schiff und am Kai hatte ich dann auch eine ruhige Nacht.
Montag, 10.6.2024 Hamburg – Nordsee
Während des Frühstücks um 7 Uhr begann die Arbeit. Container wurden ab- und andere wieder aufgeladen und schon nach einer guten Stunden hieß es „Umziehen an den CTA (Container Terminal Altenwerder)“ wo noch weitere Container hinzukamen.






Um 14:30 hieß es dann Leinen los und ab nach Norwegen. Unser Ziel war die Westküste Norwegens, von Haugesund über Bergen bis kurz vor Trondheim.
Hamburg verabschiedete sich mit dem typischen Schmuddelwetter. Am CTB konnte ich dann noch die MS Skalar liegen sehen, das Schiff meiner ersten Reise im April dieses Jahres. Der Elblotse brachte uns bis Brunsbüttel, wo der Seelotse übernahm und uns bis in die Außenelbe kurz vor Helgoland begleitete. Um 21:30 hieß es dann Kurs Nord. Der Kapitän war etwas besorgt um meine „Seefestigkeit“, denn er erwartete eine für diese Jahreszeit eigentlich untypische Wetterlage mit 7-8 Windstärken von vorn. Ich hatte aber ein ruhige Nacht und konnte gut schlafen. Vor meinem Fenster stand kein Container, ich hatte also freie Sicht auch nach vorn.






Dienstag 11.6.2024 Nordsee
Ja, die See war etwas ruppig beim Frühstück und es sollte noch etwas heftiger werden im Laufe des Tages. Auf meinen Spaziergang entlang des Schiffes zum Bug und wieder zurück habe ich dann lieber verzichtet.





Und wenn die Gischt dann vom Bug bis an die rund 120 Meter weiter hinten und 6 Stockwerke höher liegende Brücke spritzt wird einem doch etwas mulmig.
Aber der „Second“, der zweite Offizier saß völlig entspannt auf seinem Stuhl und schaute auf sein Telefon. Er erklärte mir, dass Seegang von schräg vorn nicht so problematisch sei. Er zeigte mir ein Video mit Seegang von der Seite und dort rollte das Schiff so stark, dass man immer nur entweder Wasser oder Himmel im Fenster der Nock sah. Die Bücher blieben zwar im Regal, aber seinerzeit fiel schließlich das ganze Regal um, denn es wurde komplett aus der Wand gerissen. So schlimm wurde es glücklicherweise nicht und ich konnte das Schauspiel sogar genießen. Seekrank wurde ich nicht. Sehr ungewohnt war allerdings, den ganzen Tag keine Internetverbindung zu haben. Es ist schon erstaunlich, wie oft man „nur mal eben“ etwas nachschauen will: Wetter, Position, Nachrichten, WhatsApp usw.

Noch ein Hinweis zur Crew. Es sind in diesem Reisebericht keine Fotos der Mannschaft zu sehen. Die Reederei und der Kapitän hatten darum gebeten keine erkennbaren Fotos der Mannschaft zu veröffentlichen, was ich bei der aktuellen politischen Lage zwischen der Ukraine und Russland und der Zusammensetzung der Crew gut verstehen kann.
Mittwoch. 12.6.2024 Haugesund – Bergen
Bereits morgens um fünf Uhr waren wir im Containerhafen von Haugesund, der allerdings rund 20 Kilometer südlich der Stadt liegt. Und schon um halb acht waren wir wieder auf dem Weg. Ich hatte also kaum Gelegenheit die Bordkräne in Aktion zu erleben, aber dazu später mehr. Nun gab es erst einmal eine wunderschöne Fahrt durch die Fjord- und Schärenlandschaft Westnorwegens nach Bergen.









Um 14 Uhr waren wir in Bergen fest und ich konnte das schöne Wetter für einen kurzen Landgang nutzen, denn das Terminal liegt sehr zentral. Allerdings brauchte ich schon fast 20 Minuten um vom Terminal herunterzukommen. Aber vom Gate waren es nur noch 10 Minuten bis in die Innenstadt.









Schon um 16 Uhr hieß es wieder Leinen los und es ging weiter nach Norden. Zunächst wieder durch Fjorde und dann vor die Küste.








Donnerstag 13.6.2024 Bergen – Ålesund
Den nächsten Stopp in Måløy um 2 Uhr nachts habe ich verpasst. Nur ein Foto gelang mir mit müden Augen aus meinem Fenster, aber auch nachts ist es um diese Jahreszeit in Norwegen hell.

Dafür konnte ich später die wunderschöne Einfahrt nach Ålesund genießen. Zunächst kam uns das zweite Schiff der Reederei, die MS Coneste auf dem Weg nach Rotterdam entgegen und dann ging es im schönsten Gegenlicht hinein nach Ålesund. Wir waren um 9 Uhr fest.












Das Terminal liegt sehr stadtnah und so nutze ich die Gelegenheit für einen kleinen Stadtbummel, doch eine gute Stunde ist leider viel zu kurz.










Schon um 10:30 Uhr ging es weiter Richtung Norden…
–Fortsetzung in Teil 2–
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