07-2024 (3) Henneke Rambow


Tag 13 Di.16.7.2024
Gibraltar

Am Kai steht ein alter Kran, der einige wenige Container mittels Ketten ab- und andere wieder auflädt. Dieser Vorgang ist normalerweise nach rund zwei Stunden erledigt und wir hätten eigentlich weiter fahren können. Aber unser nächster Hafen Cadiz ist noch nicht empfangsbereit für uns. Und der Charterer hat mit dem kleinen Terminal hier in Gibraltar ausgehandelt, dass wir hier liegen bleiben dürfen. Für uns Passagiere natürlich ein Glücksfall, denn das heißt: Ausgang bis zum Abendessen.
Das Schiff ist etwa ein Drittel länger als die Pier und steht mit dem Heck deutlich frei im Wasser. Die Gangway kann daher nicht ausgebracht werden . Wie also von Bord kommen?
Die einzige Möglichkeit ist es, die rund 5 Meter hohe Bordwand über die Lotsenleiter mittschiffs herunterzuklettern. „Aber auf eigene Gefahr!“ Lautet die klare Ansage. Also Rucksack festschnallen und runter gehts und nur nicht nach unten schauen. Schritt für Schritt geht es abwärts, oben hängt die Leiter noch fest am Schiff, aber je weiter es nach unten geht, um so mehr schaukelt die Leiter. Nun reicht die Leiter nicht direkt bis auf den Kai sondern hängt ja am Schiff und zwischen Schiff und Kai ist bedingt durch die Fender (Abstandshalter) ein Abstand von gut einem Meter. Also auf gleicher Höhe wie der Kai angekommen heißt es, einen beherzten Schritt Richtung Land machen und die Leiter dabei rechtzeitig los zu lassen. Es klappt und wird sind an Land. Wie wir dann wieder an Bord kommen, sehen wir später. 

Beim Betrachten des Schiffsliegeplatzes wird uns auch sofort klar, warum sicherheitshalber ein Schlepper „zum Bremsen“ nötig war!


Wir gehen erst einmal durch die Stadt Richtung Süden. Alles „very British“ hier. Und ziemlich eng bebaut. Es ist Rechtsverkehr (geht also doch) aber fast alle Straßen sind ohnehin Einbahnstraßen. Unser Ziel ist die Seilbahnstation, denn wir wollen auf den sog. Affenfelsen.

Wir sind früh unterwegs und erreichen die Talstation der Seilbahn um 9:45 und daher sind noch nicht so viele Touristen unterwegs. Die zweite Fahrt ist bereits unsere und in 6 Minuten geht es hinauf auf gut 400 Meter. Uns erwartet ein grandioser Rundumblick. Wir entdecken unsere Henneke Rambow und die zahlreichen in der Bucht ankernden Schiffe. Gibraltar ist ein populärer Platz um Treibstoff zu bunkern. Da es noch so früh ist, ist auch der Blick rüber nach Ceuta und Marokko ungetrübt. Wir genießen den Ausblick und vor allem die frische Brise hier oben. Nur Affen sind nicht zu sehen, obwohl wir von der Security extra aufgefordert wurden, den Rucksack nach vorn zunehmen. Schließlich finden wir aber noch zwei auf einem Dach sitzend, die aber doch einen recht friedlichen Eindruck machen.

Nach einer guten Stunde zieht es uns wieder nach unten. Wir sind nur zu viert in der Gondel, aber da alle Touristen nach oben wollen geht es direkt nach unten. Wir suchen uns eine Bushaltestelle um ins Zentrum zu kommen. Nach Studium der ausgehängten Routen und Fahrpläne sind wir sicher an der richtigen Haltestelle zu stehen. Die Linie 1 kommt und auch die Zielanzeige sieht stimmig aus. Allerdings beteuert der Fahrer uns, er würde weiter nach außerhalb fahren und nicht ins Zentrum und an dieser Haltestelle fahre überhaupt kein Bus in die Stadt. Er empfiehlt die Straße 50 m weiter zu laufen und dort in den Bus zu steigen. Wir sind etwas verunsichert, gehen dann aber dort hin. Das Studium der ausgehängten Routen und Fahrpläne bringt hier das gleiche Ergebnis. Dann kommt Linie 2 mit der Anzeige „Market Place“ und das klingt gut. Wir befinden uns allerdings auf britischen Gebiet und die Währung sind britische Pfund GBP. Wir hatten aber schon auf dem Plan gelesen, das auch Euro (mit entsprechendem Aufschlag) akzeptiert werden, allerdings nur passend. Gabriela hatte glücklicherweise noch genug Münzen, so dass wir passend zahlen konnten. 

Auf dem Marktplatz gibt es zahlreiche Bars und Restaurants für eine kleine Stärkung und anschließend schlendern wir durch die Fußgängerzone, finden ein Restaurant mit einem „Biergarten“ im Innenhof und hier gibt es erst einmal „fish and chips“.

Gut gestärkt geht es dann in aller Ruhe Richtung Schiff. Eigentlich wollte der Kapitän um drei Uhr auch noch mal an Land und wir hatten gehofft ihn hier zu treffen. Eine WhatsApp bleibt zunächst unbeantwortet.


Der Hafen ist durch die Security abgeriegelt, die uns auch prompt aufhält. Wir sehen ja auch aus wie Touristen. Wir erklären wer wir sind und wo wir hinwollen und da die Leute auch nicht so recht wissen was sie mit uns machen sollen, lassen sie uns schließlich mit einem Schulterzucken durch. Inzwischen wissen wir: Schutzweste anziehen und selbstbewußt grüßen, dann kommt man ohne Probleme durch. Wir sind gerade am Schiff, als die Meldung vom Kapitän kommt, dass er in der Stadt fertig ist und nun zum Schiff geht. Wir marschieren also wieder zurück und ich überlege noch ob ich der Security jetzt erklären sollte, das wir den Kapitän noch aus der Kneipe holen müssen, lass es dann aber und wir werden auch keines Blickes gewürdigt. Nach 10 Minuten, auf halben Weg treffen wir Kapitän Drewes und der nächste Pub, das „Pig and Wistle“ ist unser. Ein typisch englischer Pub und so können wir den Kapitän endlich mal auf ein Kaltgetränk einladen.

Nach der Erfrischung geht es zum Schiff, diesmal wird die Security einfach nur selbstbewußt gegrüßt und um kurz vor halb sechs sind wir wieder am Schiff. Kapitän Drewes sprintet die Lotsenleiter hoch, dann bin ich dran. Ein beherzter Schritt vom Land auf die Leiter, warten bis sich die Leiter etwas beruhigt hat und dann Schritt für Schritt nach oben. Das ist doch viel anstrengender als runter, aber es geht – geschafft!

Der Koch hat noch etwas zu essen für uns und so geht es nahtlos zum Essen.

Zum Sonnenuntergang um halb zehn bin ich wieder auf der Brücke, um halb elf kommt der Lotse und es geht weiter nach Cadiz.

Tag 14 Mi. 17.7.2024
Gibraltar – Cadiz – Huelva

Um sechs Uhr kommt der Lotse an Bord und ich bin wieder auf der Brücke. Mit uns fährt noch die MSC Orchestra (3200 Passagiere) und die MSC Virtuosa (6300 Passagiere) ein, es wird also voll heute in Cadiz. Alle drei Schiffe liegen im selben Hafenbecken, praktisch direkt am Stadtkern.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Vom Terminal kommen wir problemlos herunter und am Gate reihen wir uns einfach in die Kreuzfahrtgäste ein. Wir gehen erst einmal in die Altstadt, denn noch ist es nicht so voll und auch nicht so heiß. Dann geht es in einem großen Bogen gemütlich von einigen Kaffeepausen unterbrochen zu einem Park und von dort wieder ein wenig durch die Stadt, jetzt deutlich voller, zurück zum Schiff. Am Gate sollen wir unsere MSC Bordkarte vorzeigen, aber selbstbewußt „Crew Containership Henneke Rambow“ gerufen und durch waren wir. 

Um kurz nach halb zwei sind wir auf dem Schiff und um halb drei geht es weiter nach Huelva.

Huelva erreichen wir nach kurzer Fahrt um halb sieben. Ein Terminal weit außerhalb der Stadt ins Grüne gebaut. Ich nutze die Gelegenheit für einen Besuch auf „Monkey Island“, dem Peildeck über der Brücke. Von hier kann ich dann auch den Sonnenuntergang mal in anderer Perspektive ablichten. 

Tag 15 Do. 18.7.2024
Huelva – Tilbury – Auf See

Zwei Uhr nachts springt die Maschine an. Die Beladung ist abgeschlossen, aber ich kann mich nicht aufraffen aus der Koje zu kriechen.


Zum Frühstück um halb acht sind wir dann schon auf hoher See vor der Südküste Portugals. Gegen mittag passieren wir das Cabo Sao Vincente und biegen ab Richtung Norden, Richtung Biskaya. Hier ist auch mehr Schiffsverkehr. 16:00 Uhr wir überholen den Tanker Venture aus der Türkei (Aliaga) kommend auf dem Weg nach UST-LIGA St. Petersburg. Ab halb neun bin ich wieder auf der Brücke um den Sonnenuntergang zu beobachten.

Tag 16 Fr. 19.7.2024
Auf See

Beim ersten Blick morgens aus dem Fenster umhüllt uns dichter Nebel. Die Sonne zeigt sich später schwach am Himmel, aber der Nebel bleibt zunächst. Gegen halb zehn biegen wir bei Finistere in die Biskaya ein.

Der Captain meint, in zwei, drei Stunden wird es etwas windiger und dann verschwindet auch der Nebel. Und gegen 13 Uhr lichtet sich der Nebel. Der Himmel ist bedeckt. Nun sehen wir auch das 400m Containerschiff Mathilde Maersk dem wir seit gestern Abend hinterherfahren und das wir gerade sehr langsam überholen.

Bei meiner Nachmittagsrunde ums Schiff mache ich mal wieder Aufnahmen vom Bugwulst. Ich habe zwar schon jede Menge, aber man weiß ja nie… Und dann passiert es plötzlich, eine ganze Schule Delphine lässt sich vom Bugschwall zu kunstvollen Sprünge verleiten. Es ist faszinierend, dass die Tiere nicht mit dem Schiff kollidieren. Nach ca 5 Minuten ist das Spektakel vorbei und die Tiere verschwinden wieder in den Tiefen der Biskaya. 

Es ist immer noch bewölkt und wir durchfahren immer wieder Nebelbänke. Und ein grandioser Sonnenuntergang findet natürlich auch nicht statt. 

Tag 17 Sa. 20.7.2024
Auf See

Als ich frühstücke, haben wir die Biskaya bereits durchquert und sind Höhe Brest, am Westeingang der Ärmelkanals. Es ist sehr neblig und regnet immer wieder. Also ein wunderbarer Tag um zu lesen und die Füße hoch zu legen. Gegen 14 Uhr lichtet sich der Nebel und es ist trocken. Zeit für einen Spaziergang ums Schiff, aber das Wetter hält nicht lang und es wird wieder diesig. Gegen 18 Uhr passieren wir Cherbourg und nun geht es langsam auf die Nordseite des Kanals.

Tag 18 Sonntag 21.7.2024
Tilbury

Der Lotse ist für 6 Uhr bestellt, wir sind aber schon um halb sechs da. Aber bestellt ist bestellt. Der Lotse kommt Punkt sechs. Dann geht es knapp 4 Stunden die Themse aufwärts, bis kurz vor London nach Tilbury. Dort sind wir für 11 Uhr am Terminal angemeldet. Wir sind um 10:45 am Terminal und es ist dort noch niemand zu sehen und auch auf Funk reagiert niemand. Erst um kurz vor elf erscheinen die Festmacher. Wir sind pünktlich fest und kurz danach beginnt auch schon das Entladen.

Mit zwei Kränen geht es zur Sache. Direkt vor meinem Kammerfenster ist der Ladevorgang schon etwas beängstigend.

Um halb vier ist fertig geladen und es kehrt Ruhe ein auf dem Terminal. Der Lotse für die Rückfahrt ist für 20 Uhr bestellt und dabei bleibt es auch. Wir haben allerdings auch keine Eile, denn in Hamburg können wir erst am Dienstag früh anlegen. So genießen wir einen ruhigen Sonntag Nachmittag am TCT Tilbury Container Terminal. Pünktlich um kurz vor acht kommt der Lotse und auch die Festmacher und dann geht es im schönsten Sonnenuntergang ostwärts. Erst um halb zwölf nachts verlassen wir die Themsemündung und der Lotse geht von Bord.

Tag 19 Mo. 22.7.2024
Nordsee

Es war eine sehr ruhige Nacht. Mit gemütlichen 11 Knoten tuckern wir Richtung Hamburg. Zum Frühstück sind wir Höhe Rotterdam. Die Nordsee ist sehr ruhig, es ist gute Sicht, also ausgiebige Gelegenheit den Schiffsverkehr zu betrachten.

Tag 20 Di. 23.7.2024
Hamburg

In Cuxhaven sind wir mitten in der Nacht. Um halb fünf Uhr passieren wir die WebCam Grauerort Höhe Stade, um zehn nach fünf passieren wir den Anleger Lühe (Die Heimat von Kapitän Ingo) und um 6 Uhr sind wir bei herrlichem Licht im Hamburger Hafen und liegen um halb sieben fest am C. Steinweg Terminal wo diese fantastische Reise vor fast drei Wochen begann.

Vielen Dank fürs virtuelle Mitreisen und wer noch Fragen hat oder weitere Informationen möchte, darf sich gern bei mir melden.

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4 Kommentare

  1. Hallo Jens,

    sehr schöne Reiseberichte. Für mich besonders interessant, weil ich mich seit dem Frühsommer ausschließlich mit der Schiffsfotografie beschäftige. Umso erstaunter und erfreuter war ich, als ich nach längerer Zeit mal wieder deinen Blog besuchte. Dort war es im letzten Jahr ruhig geworden, sodass ich nicht mehr regelmäßig nachgesehen habe.

    Noch eine Frage, die zeigt, dass ich nicht nur die Fotos sehe, sondern auch die Texte lese. Vom Hafen in Tilbury seid ihr westwärts (?) die Themse heruntergefahren? Nicht ostwärts? Aber vielleicht habe ich ja einen Denkfehler.

    Mach weiter so. Ich finde deine Reiseberichte klasse.

    Viele Grüße aus dem Norden, Jörn

    • Moin Jörn, schön von dir zu hören. Und natürlich hast du recht, es muss ostwärts heißen. Habe es direkt korrigiert. Sorry für die etwas längere Reaktionszeit, aber ich bin gerade wieder für eine Wochen unterwegs, mit der MS Beate nach Südnorwegen.
      Viele Grüße
      Jens

  2. Herzlichen Dank auch für diesen wunderbaren dritten Reisebericht von der HENNEKE RAMBOW. Wir freuen uns schon enorm auf diese Reise im nächsten Jahr. Als Ergänzung hier etwas ausführlicher der Affenfelsen: https://youtu.be/U-u1W6qmidY
    Wir sind auch mit dem Lift hoch, aber zu Fuß wieder runter. Es gibt auf dem Felsen eine Menge mehr zu sehen.
    Deine Aufnahmen von den Delphinen vor dem Bugwulst sind der Hammer. 🙂
    Wünsche Dir viel Spaß an den nächsten Reisen und hoffe wir bleiben in Verbindung.
    Ciao
    Kalle

  3. lieber Jens

    Ein sensationeller Bericht und so geniale Aufnahmen von den Delfinen! Herzlichen Glückwunsch!

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