11-2024 Bianca Rambow


…oder von den Unwägbarkeiten eine Schiffsreise.

Montag 18.11.2024

Heute steht die letzte Reise mit einem Containerschiff für diese Jahr an und eigentlich sollte es heute auf die Bianca Rambow gehen. Die Reisetasche ist gepackt, die Fahrkarte besorgt. Allerdings liegt die Bianca Rambow noch in Norwegen. Neuer Termin nun Donnerstag,

Donnerstag, 21.11.2024

Auf nach Hamburg, der Einstieg ist für heute um 15 Uhr am Containerterminal Tollerort (CTT) in Hamburg vorgesehen. Aber schon auf der Fahrt nach Hamburg sehe ich in der ‚HHLA Segelliste‘ (Das sind die Ankünfte und Abfahrten an den Terminals der HHLA), dass sich die Abfahrt vom CTB verzögern würde. So bleibe ich zunächst in Hamburg in der Stadt, um noch etwas zu essen. Gegen 17 Uhr setzt sich die Bianca Rambow dann aber vom CTB aus in Bewegung und ich machte mich auf den Weg und nehme mir ein Taxi zum CTT. Um 18:15 bin ich am Gate und die Bianca Rambow ist eine knappe halbe Stunde vor mir dort. Der Shuttle bringt mich zum Schiff und ich werde wie immer sofort freundlich aufgenommen. Der Matrose trägt meine Reisetasche und brachte mich flinken Fusses auf meine Kammer. Da die Bianca Rambow weitgehend baugleich der Henneke Rambow, meinem Schiff aus dem Juni und auch der MS Beate, meinem Schiff aus dem September ist, finde ich mich schnell zurecht. Wie gewohnt geht der erste Gang in die Messe, um mich dem Koch vorzustellen, aber der hat schon Feierabend. Dafür treffe ich meinen Mitpassagier Heinrich, den Chief (Chefingenieur der Maschine)  Jörg Backhaus und den Kapitän Sascha Ratje. Der Offizierstisch der Messe ist also rein deutsch besetzt, was die Unterhaltungen deutlich vereinfacht. Dann treffe ich auch noch den Auszubildenden Nils Guttlich, den ich auch schon auf der Henneke Rambow kennen gelernt hatte. Es ist seine letzte Reise, dann noch einen Schulblock und die Ausbildung ist abgeschlossen. Wir werden also, wie schon auf der Henneke Rambow auch diesmal gemeinsam aussteigen. 

Um 23 Uhr sollen wir verholen zum Terminal Eurogate, es wird dann aber doch 0:30 Uhr und da bin ich schon am Schlafen.

Freitag, 22.11.2024

Um sechs Uhr früh geht es dann zum Terminal Altenwerder in den Köhlbrand und von dort sollen wir dann um 10 Uhr Richtung Norwegen starten. 
Aber in der Feederschiffahrt kommt es immer anders als man denkt. Es lagen noch Container für uns am Tollerort, dort sind aber alle Liegeplätze belegt und das heißt zunächst auf Warteposition an einen unbenutzten Platz in Altenwerder. Unser Liegeplatz wird dann auch sofort von der Ida Rambow genutzt.


Wir bleiben 24 Stunden hier liegen ist die Meldung und werden morgen noch Container am CTT Tollerort aufnehmen. Aber schon nach 45 Minuten, wir sind quasi gerade richtig fest, kommt eine neue Order: Sofort zum CTT Tollerort, wir werden „zwischengeschoben“. Also Lotse bestellen und los geht es zum Tollerort. Um 15 Uhr sind wir wieder fest am Tollerort (Das zweite Mal). Geplante Abfahrt 23 Uhr. Gegen 18 Uhr kommt auch die Ida Rambow und legt vor uns an. Sie wird vor uns abgefertigt, denn wir liegen ja „lay by wait“ wie es in der Fachsprache heißt. 

Die Ida Rambow ging dann um 21 Uhr wieder los und bei uns wird weiter beladen. Um 22:30 Uhr geht es dann endlich los. Wir sind allerdings erst gerade eben auf der Elbe Höhe Waltershof, als den Kapitän ein Anruf des Terminals Tollerort erreicht. Es sind noch nicht alle Container verladen, es gab wohl ein Missverständnis zwischen dem Lademeister an Bord und dem Terminal. Also entscheidet der Kapitän wir drehen wieder um. Kaum sind wir wieder am Tollerort fest (zum dritten Mal), werden die letzen Container verladen und um 1:30 Uhr geht es dann endlich los.

Samstag, 23. November 2024

Für die Nordsee gab es eine schwere Sturmwarnung und die Ida Rambow (ebenfalls Ziel Norwegen) wurde auf Reede gelegt und sollte den Sturm abwarten. Für uns war die Fahrt durch den Nordostseekanal geplant und wir können unsere Fahrt fortsetzen. Wir erreichen die Schleuse Brunsbüttel um 5:30 Uhr. Es wird also eine Kanaldurchfahrt am Tag geben.

Da es praktisch kaum Gegenverkehr gibt erreichen wir die Schleuse Kiel Holtenau sensationell schnell bereits um 13:30 Uhr. Dort laufen wir kurz vor der Norwegenfähre Color Magic in die Kieler Förde ein. Hier gilt eine Höchstgeschwindigkeit. Am Kieler Leuchtturm verläßt uns der Lotse und die Color Magic nimmt sofort Fahrt auf und überholt uns locker.

Um ca. 19:30 Uhr passieren wir die Große Beltbrücke und die See wird langsam unruhiger. Wir haben starken Rückenwind und auch die Dünung kommt von hinten, was das Schiff manchmal unangenehm rollen läßt. Ich schlafe trotzdem sehr gut.

Sonntag, 24. November 2024

Beim Frühstück sind wir schon weit im Skagerak. Eigentlich sollen wir erst morgen Abend in Oslo eintreffen, aber der Kapitän hat schon gestern beim Charter angefragt, wo wir die Zeit bis dahin auf Reede gehen sollen. Am liebsten wohl innerhalb des Oslofjordes, wegen des rauen Wetters, aber dafür bräuchten wir einen Lotsen, für den wir aber nicht angemeldet sind. Kurz nach dem Frühstück kommt dann Nachricht, wir sind für 16 Uhr beim Lotsen angemeldet und können dann bis Oslo fahren. Daher wird die Geschwindigkeit auf 12 Knoten reduziert, wir haben ja Zeit. Doch kurze Zeit später nimmt Kapitän Ratje per Funk Kontakt zur Lotsenstation auf und von dort heißt es, dass keine Lotsen verfügbar sind, aber man werde versuchen uns irgendwie zwischenzuschieben. Dann plötzlich die Meldung: Ja, um 11:30 können wir einen Lotsen bekommen. Also Hebel auf den Tisch und Vollgas. Trotzdem wurde es eng und wir fahren dem Lotsen dann Richtung Fredrikstad auf die Ostseite des Oslofjordes entgegen. Um 11:45 Uhr kommt das Lotsenboot in Sicht und der Lotse geht an Bord.

Der Lotse ist sehr nett und freut sich uns einiges zu erklären, er war Kapitän bei den Hurtigruten und mag den Kontakt mit Passagieren. Er ist dann aber doch sehr überrascht in mir einen Passagier an Bord zu sehen, der norwegisch spricht 😉 

Die Fahrt durch den Oslofjord ist es sehr grau und trübe, aber es hat trotzdem seinen Reiz. Bei Drøbak liegt das Kriegsschiff Blücher, das dort von den Norwegern im zweiten Weltkrieg versenkt wurde in 60 Meter Tiefe. Der Lotse erklärte, dass das Schiff inzwischen sehr verrostet ist und es käme nun zu unkontrolliertem Ölaustritt. Zwar habe man den größten Teil schon vor längerer Zeit abpumpen können, aber weitere Arbeiten sind gefährlich, weil im Schiff immer noch große Mengen an Munition liegen. Kurze Zeit später zeigt er uns dann auch die unübersehbaren Ölflecken auf der Wasseroberfläche. 

Kurz vor Oslo um 14:30 kommt uns dann die ColorMagic schon wieder entgegen. Sie war bereits um 10 Uhr morgens angekommen, hatte aus- und wieder eingeladen und ist nun wieder auf dem Weg nach Kiel. Um 15:45 sind wir dann fest in Oslo am Yilport Containerterminal. 

Kurz nach der Ankunft entschließen mein Mitreisender und ich uns – trotz Regen – noch eine Tour in die Stadt zu unternehmen. Der Wintermarkt in Oslo ist ja sehr schön. Doch zunächst müssen wir vom Terminal runter. Laut unserem 2. Offizier eigentlich ganz einfach, das Gate ist 24/7 besetzt. Dort einfach Helm und Weste deponieren und los geht es. Nun ist aber Sonntag und das Gate ist schlichtweg zu und kein Mensch ist weit und breit zu sehen. Wir irren etwas über das menschenleere Terminal und finden schließlich ein Gebäude mit Licht. Hier haben die Terminalarbeiter ihre Umkleide und Pausenräume und zufälligerweise kommt gerade ein Mitarbeiter zum Dienst. Er stellt dann für uns eine Verbindung zum Vorarbeiter her, der hier im Obergeschoß sein Büro hat. Er hat heute Nachtdienst, und nimmt sich unser an. Er gibt uns seine private Mobilnummer und wir sollen ihn anrufen wenn wir zurück sind, dann wird er uns wieder reinlassen. Freundlicherweise organisiert er uns auch noch ein Taxi und nach kurzer Wartezeit fährt tatsächlich ein Taxi vor und es geht in die Stadt zum Nationaltheater zum Wintermarkt.

Trotz des Nieselregen ist es sehr schön einen Spaziergang zu machen und der Wintermarkt ist wirklich sehr schön gestaltet, auch wenn an einem nieseligen Sonntagabend nicht so arg viel los ist. Wir spazieren dann noch die Einkaufsstraße hoch zum Bahnhof und laufen weiter zur Oper und zum Munch Museum, abschließend dann noch einmal auf die Spitze von Sørenga, wo wir einen Blick auf unser Schiff werfen können. Mit zunehmendem Abend beginnt der Nieselregen auf den Fußwegen sofort zu gefrieren und es wird gefährlich zu gehen. Und so machen wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof, holen uns noch „Kanelsnurre“ ein Zimtgebäck und nehmen uns ein Taxi zum Terminal. Das Taxi war zwar recht teuer (35 Euro für knapp 5 km), trotzdem hat es sich gelohnt. Am Terminal klappt alles wunderbar und um 20 Uhr sind wir wieder auf dem Schiff und genießen in Messe noch unsere Kanelsnurre und einen Kaffee bei einem gemütlichen Plausch.

Montag, 25.11.2024

Die Entladung des Schiffs wurde in der Nacht fortgesetzt, aber sehr ‚vorsichtig‘ und so hatten wir eine wunderbar ruhige Nacht. Nach einem gemütlich Frühstück machen wir wieder die übliche Runde über das Schiff. Gegen 11 Uhr kommt ein weiteres Containerschiff und die Arbeiten an unserem Schiff werden eingestellt. Das andere Schiff hat Vorrang und wir sind ja auch eigentlich erst heute Abend zur Ankunft vorgesehen. Es ist also ein ausgesprochen ruhiger Tag und da nicht geladen wird, können wir auch mal aufs Terminal und ein paar Aufnahmen von Außen machen.

Dienstag, 26.11.2024

Um 1:15 sind wir fertig beladen und es geht los Richtung Drammen. Die Durchfahrt durch die Enge von Svelvik möchte ich ja gern sehen und so heißt es um 03:30 kurz aufstehen und raus auf Deck. Die Durchfahrt durch Svelvik ist einfach schön.

Nach 15 Minuten ist es dann aber auch schon vorbei und ich krieche wieder ins warme Bett. Um 5 Uhr erreichen wir Drammen. Hier geht es sehr schnell. Bereits um 7:15 sind wir fertig und geht es wieder los. Wieder durch Svelvik und jetzt bei mehr oder weniger Tageslicht.

Und dann geht es in den Oslofjord. Schon hier merken wir die Dünung. Es sind 8-9 Windstärken aus Südwest im Skagerak gemeldet. Wir müssen zwar nur ein kurzes Stück durchs Skagerak aber für zwei Stunden wird es ruppig werden. Und es wurde ruppig! Mit 12 Knoten kämpft sich die Bianca Rambow gegen die Dünung Richtung Larvik. Wir müssen einen etwas größeren Bogen fahren um nicht quer zur Dünung zu kommen.

Aber wir erreichen gegen 14 Uhr sicher den Hafen von Larvik. Es bot sich also an einen Spaziergang an Land zu machen. Nach Abmeldung beim ersten Offizier bringt uns ein Fahrzeug der Hafenarbeiter durch das Gate und zum Rand des Hafengebietes. Zu Fuß geht es dann am Fjord entlang zum Bahnhof und weiter in die Innenstadt. So schön ist die Stadt allerdings nicht, nach einem Wienerbrød und einem Kaffee noch einen kurzen Einkauf und wir marschieren zurück zum Schiff.

Es sind jedoch alle Gates geschlossen und niemand ist in Sicht. Vom meinem letzten Aufenthalt wußte ich jedoch, wo es möglicherweise ein Loch im Zaun gibt und so war es dann auch. Wir gelangten ohne aufwändige Telefoniererei wieder zu unserm Schiff.

Mittwoch, 27.11.2024

Eigentlich sollen wir um 2:00 Uhr ablegen, tatsächlich geht es erst um 5 Uhr los. Wir fahren entlang der norwegischen Südküste bis nach Kristiansand und sind dort um 11 Uhr fest. Nach dem Mittagessen erhalten wir eine ausführliche Führung durch die Maschine des Schiffes vom Chief Jörg Backhaus. Zum ersten Mal habe ich einen deutschen Chief und so verstehe ich viel mehr Zusammenhänge. „Die Maschine“ heißt ja nicht nur Antrieb. Hier wird der Strom erzeugt, Frischwasser aus Seewasser hergestellt, das Abwasser gesammelt und aufbereitet, für Heizuung und Klimatisierung gesorgt, der Kraftstoff verwahrt und aufbereitet und nicht zuletzt auch für den Vortrieb gesorgt. Die Hauptmaschine ist eine MAK 9-43. Neun Zylinder mit einer Bohrung von 43cm und einem Hub von 56cm. Sie erzeugen gut 8000kw Leistung. Zusätzlich gibt es zwei Dieselgeneratoren, die Strom erzeugen, wenn die Hauptmaschine nicht läuft und noch einen Notstromdiesel. Es ist ein ziemliches Gewirr von Leitungen und Pumpen dort unten. Niederdruck Kühlwasser, Hochdruckkühlwasser, Treibstoffleitungen, Lenzpumpen, Bilgenwasserpumpen, Regenwasserpumpen und und und. Nach zwei Stunden Erklärungen raucht mir ziemlich der Kopf, auch wenn Herr Backhaus das sehr gut, verständlich und spannend erklärt. 

Also noch einmal frische Luft schnappen. Der Landgang ist hier in Kristiansand recht einfach, denn das Terminal liegt praktisch in der Innenstadt und wir bekommen hier sogar eine Magnetkarte für das Gate. Nach kurzem Fußmarsch sind wir mitten in der weihnachtlich beleuchteten Einkaufszone. Ein wenig bummeln und die Füße vertreten, dann noch ein „Kanelbolle und Kaffee“ und zurück aufs Schiff.

Übrigens gerade rechtzeitig zum Abendessen, heute um 17:30 Uhr. Also gibt es noch einen Burger hinterher mit einem lockeren Klönschnack mit Kapitän und Chief. Abends schaue ich dann noch ein wenig „Containertetris“ bevor ich mich auf meine Kammer zurückziehe. Bis Mitternacht wird noch Be- und Entladen.

Donnerstag, 28.11.2024

Das Ablegen nachts bekomme ich nicht mit, aber im Skagerak wird es dann etwas wellig. Mit rund 6 Windstärken schräg von achtern ist das Schiff doch unangenehm am schlingern und man wird in der Koje ziemlich hin- und hergeworfen. Ich kann zwar schlafen, aber es ist nicht so erholsam. Zum Frühstück fahren wir aber schon entlang der dänischen Küste und Kapitän Ratje hat einen Kurs etwas näher der Küste eingeschlagen, damit die Wellen etwas mehr von hinten kommen.

Im Süden Dänemarks kommt uns jedoch eine riesige Windkraftanlage in die Quere die wir umfahren müssen und damit wieder quer zu den Wellen. Aber inzwischen hat der Wind und die Dünung etwas nachgelassen. Dann geht es mit direktem Kurs auf die Wesermündung zu. Dank Rückenwind und Strömung erreichen wir die Einfahrt in die Weser schon gegen 18 Uhr. Allerdings werden wir dort am Terminal erst am Freitag morgen ab 6 Uhr erwartet, wir gehen also südlich von Helgoland auf der „Weser Anch“ erst einmal auf Reede werden die Nacht über ankern.

Freitag, 29.11.2024

In der Nacht wird der Anker eingeholt und am frühen Morgen sind wir fest in Bremerhaven. Es ist ein sonniger Tag in Bremerhaven. Es gibt viel zu Entladen und neu zu Beladen. Insgesamt sind es wohl 550 „Moves“ also Containerbewegungen. Allerdings müssen wir zwischendurch zu Gunsten eines anders Schiffes Platz machen und verholen an einen anderen Liegeplatz. In der Nacht geht es dann zurück an den alten Liegeplatz

Samstag 30.11.2024

Die Abfahrt nach Hamburg ist für den späten Vormittag geplant und die Ankunft in Hamburg dann am frühen Samstag Abend. Da ich dann nicht mehr nach Hause käme (keine Zugverbindung) entschließe ich mich schweren Herzens jetzt in Bremerhaven auszusteigen. Damit geht eine spannende und wunderschöne Reise leider etwas früher zu Ende. Vielen Dank an Kapitän Ratje die nette Crew und natürlich an Heinrich für viele gute Gespräche.

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1 Kommentar

  1. Hallo Jens, wieder ein wundervoller, lebhafter Bericht mit eindrucksvollen Fotos. Wir freuen uns auch schon auf unsere nächste Frachtschiffreise in 2025. Die BIANCA RAMBOW hat uns auch sehr gut gefallen und die Mannschaft war klasse.

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