Dienstag, 29.7.25 Anreise
Ursprünglich sollte der Einstieg am Dienstag mittags erfolgen. Da die Henneke Rambow aber mit Verspätung in Tilbury gestartet war, wurde der Einstieg zuerst auf 20 Uhr und dann doch auf Mittwoch verschoben. Ich hatte das bereits erwartet und so hatten wir unsere Übernachtung in Hollenstedt bereits um 24 Stunden verschoben.
Daher starten wir ganz entspannt Dienstag nach dem Mittagessen und fahren Richtung Hollenstedt. Doch vor Bremen gibt es einen großen Stau und so geht es fast 90 Minuten nur im stop and go voran. Zwischendrin rollt es mal wieder, doch da geschieht direkt vor uns ein tödlicher Verkehrsunfall. Ein Sprinter ist ungebremst auf einen LKW aufgefahren. Es sind zum Glück direkt viele Ersthelfer vor Ort, aber es war sofort erkennbar, das dem Fahrer nicht mehr zu helfen war.
Um viertel vor fünf erreichen wir schließlich unser Hotel, den „Hollenstedter Hof“. Wir checken ein und gehen erst einmal um die Ecke zum Ankerherz Verlag. Hier sollte sich doch noch etwas Lesestoff für die Reise finden lassen. Doch leider hatte der Shop geschlossen, obwohl er laut Internet geöffnet haben sollte. Sehr schade und nicht unbedingt ein guter Start in die Reise. Nach einem kurzen Spaziergang durch Hollenstedt, können wir dann aber ein wunderbares Abendessen genießen.
Das Hotelzimmer ist ansprechend und bietet genug Platz und bequeme Betten für eine entspannte Nacht.

Mittwoch, 30.7.25 Hamburg
Ich bin vor solchen Reisen immer sehr aufgeregt und so hatte ich eine unruhige Nacht. Nach dem Frühstück fahren wir dann nach Hamburg. Vorher machen wir noch kurz einen Stop in Buxtehude, denn ich wollte eigentlich noch ein Handtuch mitnehmen (die auf dem Schiff sind meist nicht so doll). Der „Marktkauf“ hat ab 7 Uhr geöffnet und dort werde ich auch gleich fündig.
Die Anfahrt nach Hamburg ist ebenfalls etwas zäh, aber wir haben ja genug Zeit. Um kurz nach 9 Uhr erreichen wir das Terminal und wir sind ja bereits samt Auto angemeldet. Daher fahren wir einmal der Länge nach durchs Terminal und parken direkt am Schiff. Der wachhabende Matrose ist nicht zu finden, aber schließlich kommt der Chiefmate Ramon und bringt mich auf die Kammer. Es gibt eine kurze Diskussion, weil ich in die Passagierkabine sollte, aber die Eignerkabine gebucht hatte. Zufällig kommt der Kapitän die Treppe runter und klärt das auf. Er kennt mich ja vom letzten Jahr.



Die Kammern unterscheiden sich gar nicht groß, aber da ich letztes Jahr an Backbord gewohnt habe, will ich diesmal an Steuerbord reisen. Meine Kammer ist auf dem D-Deck und damit direkt unter der Kammer vom Kapitän auf dem E-Deck. Die Brücke ist auf dem F-Deck. Inzwischen ist auch der andere Passagier eingetroffen und wir tauschen uns erst einmal aus.
Elke bleibt noch etwas und wir schauen kurz auf die Brücke. Dort ist alles zerlegt. Es gab auf der letzten Reise Probleme mit der elektronische Seekarte ECDIS. Nun sind zwei Monteure dabei das zu richten.
Gegen elf Uhr fährt Elke dann nach Haus und ich richte mich erst einmal in der Kammer ein. Um zwölf gibt es dann das erste Mittagessen und ich stelle mich dem Koch vor und bitte ihn direkt für mich immer kleinere Portionen vorzusehen. Am Nachmittag wird es dann ruhiger, denn die Beladung ist abgeschlossen. Der Kapitän und sein Frau sind noch einmal einkaufen gefahren, die Kaffeemaschine auf der Brücke ist auch kaputt und muss neu gekauft werden. Die Abfahrt ist für 18 Uhr geplant. Der Kapitän will nicht zu früh in Rotterdam sein, um ein Warten auf Anker zu vermeiden.
Um 18 Uhr geht es dann tatsächlich los und wir genießen eine schöne Fahrt die Elbe hinunter, leider regnet es immer mal wieder kräftig, aber es ist trotzdem immer wieder schön. Kurz vor Brunsbüttel (halb zehn) verabschiede ich mich, denn ich muss wohl doch etwas Schlaf nachholen.






Donnerstag, 31.7.25 Nordsee
Ich erwache mitten auf der Nordsee. Die See ist etwas ruppig. In den Nacht war es nicht so einfach eine Schlafposition zu finden. Durch den Wellengang rollt man im Bett immer hin und her.
Um halb acht gibt es Frühstück und die Zeiten sollen eingehalten werden. 7:30 Frühstück, 12 Uhr Mittag 17 Uhr Abendessen.
Wir fahren aktuell nur 10 Knoten, also sehr langsam. Nach dem Frühstück geht es auf die Brücke, der Kapitän hat Wache. Wir dürfen nicht vor 18 Uhr am Lotsen Rotterdam sein, daher die „Schleichfahrt“. Den Tag verbringe ich mit „Schiffsbesichtigungen“. Es hat sich nicht viel verändert. Bootsmann auf dieser Reise ist wieder Noel wie schon im letzten Jahr. Es ist schön ein bekanntes Gesicht zu sehen und er freut sich, dass ich mich an seinen Namen erinnere.







Auf dieser Strecke gibt es immer etwas zu sehen, es ist viel Schiffsverkehr und wir passieren viele vor Anker liegende Schiffe, die auf einen Platz in einem der Häfen oder auf neue Aufträge warten.
Um 18:30 Uhr erreichen wir die Lotsenposition vor Rotterdam und wir bekommen einen Lotsen und können in die Maas einfahren. Unser Liegeplatz ist zwar noch besetzt, aber er soll in kürze frei werden. Die Fahrt die Maas hinauf ist immer ein Erlebnis. Der Hafen von Rotterdam ist unbeschreiblich groß. Wir fahren zwei Stunden lang erst mit 14 Knoten, dann mit 10 Knoten immer nur an Hafenanlagen entlang. Kurz nach 22 Uhr biegen wir in Pernis rechts zu einer Hafenanlage ab und sind um 22:20 Uhr am Rotterdam Short Sea Terminal RST fest.






Freitag, 1.8.25 Rotterdam
Schon in der Nacht wird mit dem Entladen und Beladen begonnen. Es ist im Bett deutlich zu spüren, wenn die Container auf dem Schiff abgesetzt werden. Oft neigt sich das Schiff bei einem schweren Container auf die Seite und man rollt etwas im Bett.
Um 14:00 Uhr ist das Laden abgeschlossen. Wir haben diesmal aber noch einen zweiten Ladeplatz in Rotterdam, daher kommt um 14:30 Uhr ein Lotse an Bord, um uns zu einem Parkplatz zu bringen, denn noch ist der zweite Liegeplatz besetzt. Wir fahren in den Waalhaven, also noch etwas weiter Richtung Stadt. Dort werden wir zwischen einem Dalben und einer Tonne vertäut, also mitten im Hafenbecken. Da es sehr windig ist, wird zusätzlich auch noch ein Anker gesetzt. Ein solches Manöver hatte ich bisher auch noch nicht erlebt und daher war ich die ganze Zeit achtern auf der Manöverstation. Um 15:30 Uhr sind wir fest und es kehrt Ruhe ein.







Es wird wohl erst heute Nacht um 3 Uhr weitergehen.
Aber ich habe mich gerade hingelegt um noch etwas zu lesen, als die Maschine anspringt. Es ist 22 Uhr, also schnell wieder anziehen und auf die Brücke. Ich konnte eine wunderschöne nächtliche Fahrt die Maas hinab genießen. Unser neuer Liegeplatz ist am World Gate Terminal im neuen Containerhafen Maasvlakte ganz draußen an der Maasmündung. Als wir am Terminal ankommen ist unser Liegeplatz immer noch besetzt. Die „Sven D“ blockiert den Platz und kommt nicht so recht in Gang. Der Lotse verständigt sich mit seinem Kollegen auf dem anderen Schiff und dann geht es endlich los. Noch während die „Sven D“ ablegt, legen wir an und sind um 1:00 Uhr fest. Die Entladung beginnt sofort.





Samstag, 2.8.25 Ärmelkanal
Das Be- und Entladen ist die ganze Nacht zu spüren. Noch während ich beim Frühstück bin, springt die Maschine an. Also schnell auf die Brücke. Der Lotse ist schon an Bord und durch den neuen Containerhafen geht es zurück auf die Maas und dann auf die Nordsee. Dort steigt der Lotse bei 5 Windstärken aus Nordost um auf den kleinen offenen Lotsenversetzer. Ich möchte das nicht machen. Nun geht es Richtung englischem Kanal. Hier ist sehr viel Verkehr und vor allem kreuz und quer. Hier ist die ganze Konzentration des Kapitäns gefordert. Zusätzlich ist die See sehr unangenehm. Das Schiff rollt und stampft und ich werde seit langem mal wieder etwas seekrank. Zu wenig Schlaf und dann drinnen beim Essen ohne Blickkontakt zum Horizont war vielleicht nicht die beste Idee. Erst mal in der Kammer mit Blick nach draußen entspannen und dann geht es auch wieder. Weiter nach Westen wird es dann auch ruhiger. Vor dem Abendessen um 17 Uhr haben wir einen wunderschönen Blick auf die „White Cliffs of Dover“. Da wir immer mal wieder etwas näher an einer Küste sind, gibt ist sogar immer wieder mal Internet.
In Höhe Southhampton bin ich dann zum Sonnenuntergang noch einmal auf der Brücke.
Um halb elf bin ich in der Koje und schlafe sofort ein.








Sonntag, 3.8.25 auf See
Es ist Sonntag und heute haben auch die Matrosen frei. Wir sind immer noch in der Kanalausfahrt, aber von den Küsten ist nichts zu sehen. Die See ist angenehm ruhig, nur ein leichtes auf und ab ist zu spüren. Eine gute Gelegenheit für etwas „Hausputz“. Die Kammer wird zwar von den Matrosen vor der Ankunft neuer Gäste gereinigt, aber das beschränkt sich doch eher auf das „Grobe“. Also hole ich mir einen Lappen und etwas Putzmittel und wische einfach noch mal drüber, auch in den Ecken und vor allem die Staubschicht auf den Schränken. Dann entsorge ich erstmal diverse Zeitungen die Vorreisende hier zurückgelassen haben. Ich denke an diversen Spiegelexemplaren aus 2018 und einer Financial Times von 2016 hat wohl keiner Interesse. Es gibt ja noch diverse Bücher hier im Schrank, falls jemandem der Lesestoff ausgeht.
Die Handtücher vom Schiff sind, wie erwartet, ziemlich ausgelaugt. Meine neuen Handtücher wollen aber das Wasser noch nicht so recht annehmen.
Also nutze ich die Gelegenheit für eine Wäsche. Die bisher getragen Sachen kommen auch mit in die Maschine und dann gibt es eine „Pauschalwäsche“. Anschliessend dann in den Trockner und dann ist alles wieder fit.
Den Nachmittag nutze ich zum Faulenzen und Lesen. Leider ist es durchgehend bewölkt, es ist nicht kalt, aber trotzdem nicht so gemütlich. Ich probiere verschiedenen Stelle auf dem Schiff aus und verziehe mich nach zwei Stunden doch wieder nach drinnen.
Ab 20 Uhr hat der Kapitän Wache und ich gehe noch einmal auf die Brücke. Es ist fantastisch klare Sicht. Die Schiffe am Horizont heben sich gut ab. Einen brauchbaren Sonnenuntergang gibt es heute allerdings nicht und so gehe ich lieber schlafen.
Montag, 4.8.25 Ferrol
Die See in der Biscaya ist immer noch erstaunlich ruhig. Das Schiff rollt zwar etwas, aber es ist mit geeigneter Schlafposition noch gut auszuhalten. Nach dem Frühstück geht es mal wieder auf die Brücke, aber es sind kaum andere Schiff zu sehen. Nach einem Schnack mit dem Kapitän mache ich dann wieder meine Runde ums Schiff.




Nach dem Mittagessen kommt die spanische Küste in Sicht. Erst nur sehr schemenhaft im Dunst, dann immer deutlicher. Wir fahren ein kleines Stück die Küste entlang und dann geht es auch schon links herum in den neuen Containerhafen von Ferrol. Er liegt sehr weit außerhalb der Stadt praktisch direkt am Atlantik. Der Lotse erwartet uns schon und so sind wird um 13:30 Uhr fest. Wir sind auch das einzige Schiff im Hafen. Die Spanier lassen es ruhig angehen. Es tauchen einzelne Leute auf und verschwinden wieder. Eigentlich könnte es los gehen, aber irgendetwas stimmt mit dem Kran nicht. Es wird gestikuliert und diskutiert. Schließlich wird der Portalkran ans Ende vom Schiff vorgefahren, um Platz zu machen und der zweite Kran wird herangeholt. Der Spreader (das Ding was die Container fest hält) muss dann noch etwas gangbar gemacht werden und nach über einer Stunde, um kurz vor drei geht es dann los. 20 Container müssen runter und 23 wieder rauf. Eigentlich keine große Sache, aber immer wieder klemmt der Spreader, läßt sich nicht von 40 auf 45 Fuß auseinander fahren, bzw. wieder zusammen. Es zieht sich hin. Auch das Beladen ist nicht einfacher, da werden dann schon einmal die Twist Locks vergessen (Die halten die Container die übereinander stehen zusammen), dann muss der Container wieder runter und die Locks gesetzt werden. Die letzen 7 Container müssen ganz nach vorn aufs Schiff aber da kommt der Kran nicht hin, weil der defekte Kran im Weg steht. Man hat aber inzwischen versucht ihn zu reparieren, mit mäßigem Erfolg. Immer wieder versagt der Schließmechanismus. Der Kapitän läßt schon einmal die Maschine an um zu signalisieren, dass wir gern los möchten. Das beeindruckt die Spanier allerdings wenig. Aber endlich ist es geschafft, zum Schluß noch die Gearbox (die Kästen mit den Twistlocks) aufs Schiff und um 19 Uhr geht es dann endlich los. Der Lotse unterstützt uns beim Ablegen, ist aber nach wenigen Minuten bereits wieder verschwunden.







Nun geht es hinaus auf den Atlantik. Es sind 6 bis 7 Windstärken angekündigt und die kommen auch, zunächst von der Seite und ab Mitternacht dann von hinten. Dort bei Finistere drehen wir nach Süden mit direktem Kurs auf Gran Canaria. Und wie erwartet wird es eine unruhige Nacht. Wenn die See von achtern kommt, dann ist das für das Schiff so etwas wie „surfen“. Es reitet ein Stück auf der Welle, um dann plötzlich mit dem Heck mal nach Steuerbord und mal nach Backbord abzusacken und etwas langsamer zu werden. Dann gibt es einen Schub auf die nächste Welle und das Spiel beginnt von Neuem.
Dienstag, 5.8.25 auf See
Heute mache ich „lazy monday“. Lange Ausschlafen und dann lesen, die Seeluft genießen und einfach abhängen. Die See ist immer noch sehr unruhig, nordöstliche Winde in Stärke 6 und gut 2 Meter Welle. Da der Schwell von hinten kommt, tanzt das Schiff auf den Wellen. Was schon heute Nacht nicht einfach war, ist auch am Tag nicht einfacher. Das Schiff rollte immer leicht hin und her, fährt eine Zeit lang auf einem Wellenberg mit, um kurz darauf hinten nach links oder rechts wegzusacken. Zwischendurch mache ich mal wieder mal einen Rundgang übers Schiff, die Matrosen sind fleißig am Arbeiten. Die Backbord Winsch auf der vorderen Manöverstation muss entrostet und neu gestrichen werden.
Nach dem Mittagessen gibt es dann die wohlverdiente Mittagspause.
Auch den Nachmittag verbringe ich mit Lesen und Tagebuch schreiben. Die See ist ein wenig ruhiger geworden, ich schätze noch 4 Windstärken. Der Wind von Achtern wird uns bis zu den Kanarischen Inseln begleiten. Am Abend bildet sich eine geschlossene graue Wolkendecke. Das Schiff rollt seicht in der Atlantischen Dünung.





Mittwoch 6.8.25 auf See
Auf dem Schiff breiten sich Gerüchte aus, dass die Route auf der die Henneke Rambow fährt möglicherweise eingestellt wird. Es gibt einfach zu wenig Container für diese Route. Nach jetzt 9 Jahren auf diese Strecke wäre das schon ein entscheidender Einschnitt. Die Stimmung des Kapitäns ist daher auch „wenig entspannt“. Aufgrund der Containerzahlen auf den vorherigen Reisen hatte er wohl schon so etwas befürchtet.
7:10 Uhr oh Mann, verschlafen. Ich wollte doch heute wieder pünktlich beim Frühstück sein. Also schnell fertig machen und 4 Decks nach unten.
Die See ist ruhig, es sind 3 Windstärken aus Nord, also von achtern. Es gibt aktuell kaum Schwell aus dem Atlantik, also eine sehr angenehme Fahrt. Nach dem Frühstück gehe ich auf die Brücke, denn der Kapitän hat die Wache 8 – 12 Uhr. Auf dem Atlantik ist das immer sehr angenehm. Es kommen kaum Nachrichten von der Reederei und es ist Zeit ein wenig zu klönen. Ich kenne den Kapitän ja schon von meiner Reise im letzten Jahr. Und so sind es dann doch immer die gleichen oder ähnliche Geschichten, aber es macht einfach Spaß zuzuhören. Der Kapitän weiß noch nicht ob der Anleger in Las Palmas frei ist. Das erfahren wir frühestens heute Abend oder Nacht. Der Kapitän möchte unbedingt in den Supermarkt zum Einkaufen. Da wäre eine Ankunft am frühen Nachmittag sehr gut. Aber wenn der Anleger belegt ist, dürfen wir draußen so lange treiben bis er frei wird und das kann dann bis mitten in der Nacht sein.
Auch der weitere Fahrplan ist wieder unsicher geworden. Tanger war eigentlich für Sonntag geplant, wird nun aber möglicherweise erst Montag, dann wäre Gibraltar wieder mitten in der Nacht. Aber meine Erfahrung hat mich gelehrt, einfach abwarten, es kommt immer anders als man plant.
Und so genieße ich den warmen Sommertag mit 30 Grad auf See, mache meine üblichen Rundgänge ums Schiff und verbringe die Zeit mit einigen Videoaufnahmen und wie üblich lesen.
Nach dem Abendessen noch eine Leserunde und dann ab halb neun bis zehn Uhr zum Klönschnack auf die Brücke. Nach den letzten Informationen soll der Anleger frei sein, wenn dann auch noch die Lotsen mitspielen könnten wir zwischen 12 und ein Uhr fest sein.




Donnerstag 7.8.26 Las Palmas – Gran Canaria
Es wir spät hell, um halb acht ist es noch stockfinster. Nach dem Frühstück zeigt sich dann der graue Himmel, aber es ist wieder warm. Der Schwell im Atlantik hat über Nacht etwas zugenommen, so das ich nachts häufiger aufgewacht bin. Gran Canaria taucht erst spät auf dem Dunst auf. Um 12 Uhr erreichen wir den Hafen. Vor dem Hafen liegt die „Lene“ ein brandneues Schiff der Langh Reederei in Finnland. Ich hatte einmal geplant von Terneuzen in den Niederlanden mit einem Langh Schiff nach Tornio in Finnland und zurück zu fahren. Daher war ich mit der Reederei vertraut. Und so konnte ich das erste Foto des Schiffes im Vesselfinder beisteuern.
Um 12:30 Uhr sind wir fest am Terminal und der zweite Passagier Torsten und ich machen uns direkt auf den Weg in die Stadt. Wir laufen etwa 15 Minuten durch den Hafen und sind dann weitere 10 Minuten später am Stadtstrand von Las Palmas. Eine Weile schauen wir dem regen Treiben am Strand zu, aber Strandleben ist nicht so unsere Welt. Wir schlendern wieder zurück durch die nicht wirklich schöne Stadt, besuchen eine kleine Markthalle und sind nach kurzer Zeit in einem kleinen Park am Castello. Dort war ich auch letztes Jahr schon. Es ist sehr schön dort, ruhig und nicht so warm. Wir genießen ein Kaltgetränk, einen Kaffee und dann eine warme Mahlzeit (Calamari fritti) und zum Abschluss einen Wein. Wir hätten zwar noch bis 19 Uhr Zeit (dann schließt das Gate am Terminal). Aber wir gehen noch bei „Super Dino“ etwas einkaufen und schlendern dann zurück zum Schiff. Um 17 Uhr sind wir wieder an Bord.
Eigentlich wollte der Kapitän sofort nach Abschluss der Beladung starten. Dann wären wir gegen 22 Uhr auf Teneriffa und hätten ein ruhige Nacht. Aber um 20 Uhr werden wir vom Liegeplatz vertrieben, denn er wird gebraucht. Also geht es in Schleichfahrt Richtung Teneriffa, denn unser dortiger Liegeplatz ist ebenfalls besetzt. Ich gehe lieber Schlafen.












Freitag 8.8.26 Santa Cruz Teneriffa
Ich bekomme nur im Halbschlaf mit, dass wir irgendwann um fünf Uhr rum fest machen. Zum Frühstück um halb acht ist es noch stockfinster. Torsten und ich beschließen einen Versuch zu machen in die Stadt nach Santa Cruz zu kommen. Auf meiner Reise im letzen Jahr waren wir auf einem Sonntag hier. Es war kein Problem das Terminal zu verlassen, aber alle Ausgänge aus dem Hafengelände waren verschlossen. Wir sind fast einen Kilometer auf der Hafenstraße am Zaun entlang gelaufen, konnten aber keinen Ausgang finden. Wir konnte die Busse in die Stadt auf der anderen Seite des Zaunes sehen aber kamen einfach nicht hin.
An einem Donnerstag sollte das doch besser sein? Leider nicht. Die Durchgänge zur Hauptstraße direkt vorm Gate des Terminals waren auch diesmal dicht. Also versuchten wir unser Glück beim Sicherheitspersonal am Gate. Leider sprach keiner Englisch und wir kein Spanisch, aber dank Google Translate wurde klar, die Hafenstraße runter (wie letztes Jahr) aber noch ein ganzes Stück weiter, so knapp 1,5 km. Dort ist dann eine Tankstelle an der Hauptstraße. Die Tankstelle hat eine Tür zur Hafenstraße. Dort hinein, durch die Tankstelle durch und auf der anderen Straßenseite ist dann die Bushaltestelle. Und genauso war es auch. Um 10:15 Uhr stehen wir an der Bushaltestelle und warten. Der Bus fährt etwa alle 10 Minuten, wir mussten uns also nicht lange gedulden. Zwei Erwachsene ins Zentrum für 2,50 € und schon um 10:30 Uhr sind wir in der Stadt. Nein 10:30 Uhr ist Schiffszeit, hier ist es erst 9:30 Uhr und die Stadt ist entsprechend leer. Wir bummeln die Einkaufsstraße hoch und wieder runter, schauen ein wenig in die Nebenstraßen und eine Kirche, und dann gehen wir zurück zum Ausgangspunkt denn dort gab es ein schattiges Café. Eine kleine Pause bei kaltem Sprudelwasser und Kaffee und dem Treiben der Leute zuschauen. Dann ging es hinunter zur Marina, die aber nichts hergab und so spazieren wir an der Küste entlang zur Musik- und Kongresshalle. Eine interessante Architektur, die wir übrigens schon von der Brücke des Schiffes aus sehen konnten. Hier wollten wir uns einen Park anschauen, der jedoch kostet 7,50€ Eintritt, da es eine Art Freizeitpark mit Schwimmbad war. Die Luft war inzwischen sehr drückend, bei knapp 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit. So spazierten wir zur nächsten Bushaltestelle und warteten auf Linie 910 und steigen dann in einen hoffnungslos überfüllten Bus ein. An jeder Haltestelle wartete das Fahrer geduldig bis alle irgendwie aus- bzw. eingestiegen waren.
Und dann ging es weiter, der Fahrplan hatte offenbar keine Bedeutung. Eine Haltestelle vor unserer stiegen eine ganze Reihe Leute aus, denn hier gab es eine Art Strandbad. Unsere Haltestelle hieß zwar Balenario, also Schwimmbad, aber selbiges war nur noch als Ruine erkennbar. Also durch die Tankstelle, 1,5 km die Hafenstraße hoch, durch das Gate wieder rein und durch die Container zum Schiff. Um 15 Uhr sind wir wieder an Bord.
Da die Waschmaschine gerade frei ist, nutze ich die Zeit ein paar Sachen zu waschen.
Inzwischen ist es auch offiziell. Diese Route wird im September eingestellt. Der Kapitän Ingo Drewes geht ja nach dieser Reise in Urlaub. Seine Ablösung wird dann noch eine Runde fahren. Danach geht es von Hamburg noch einmal auf die Kanaren, dann aber nur zurück bis Huelva und von dort wird die Henneke Rambow ins Mittelmeer verlegt. Nach seinem Urlaub wir Kapitän Ingo also irgendwo im Mittelmeer wieder auf sein Schiff gehen. Nach neun Jahren das erste Mal nicht in Hamburg.
Um 22 Uhr starten wir Richtung Nordosten, Richtung Tanger in Marokko.















Samstag 9.8.25 Auf See
Beim Frühstück um halb acht ist es immer noch stockdunkel. Gegen acht wird es hell, allerdins ohne grandiosen Sonnenaufgang. Es ist immer noch dunstig. Es wird einfach nur hell und irgendwann steht die Sonne plötzlich als matte Scheibe am Himmel. Wir haben den Wind von vorn, so 3-4 Windstärken aus Nordost der später dann auf 4 – 5 zunimmt. Die Wellen sind ca 1,5 bis 2 m aber von vorn ist das gut auszuhalten. Es ist wieder ein entspannter Tag auf See, mit lesen, auf die Wellen gucken und Hausputz machen. Samstags wird immer geputzt auf dem Schiff. Zum Mittagessen gab es den üblichen Erbseneintopf (immer samstags) und zum Abendessen dann Chicken Wings mit Spagetti und etwas Gemüse. Die Kombinationen sind oft etwas skurril hier an Bord.
Ach ja, und der Sonnenuntergang ist wie der Sonnenaufgang…

Sonntag 10.8.25 Auf See
Der Wind hat etwas abgenommen, es sind jetzt rund 3 Windstärken aus Nordost. Dafür ist jetzt etwas atlantische Dünung hinzugekommen. Alles aber in erträglichem Maße. Im Laufe des Tages wird es weniger dunstig und zum ersten Mal ist das Meer richtig tiefblau mit einigen weißen Spitzen und die Sonne steht klar am Himmel. Es sind etwa 28 Grad und 97% Luftfeuchtigkeit.
Es passiert nicht viel, denn es ist Sonntag und da haben die Matrosen, bis auf den Wachdienst, frei. Der Wachdienst steht in Bereitschaft und muss alle 4 oder 6 Stunden die Temperatur der Kühlcontainer überwachen. Auch auf See ist nicht viel los, Zwei Schiffe entfernt am Horizont, das war alles. Also viel Zeit zum Entspannen. Am Nachmittag kommt die Nachricht, dass wir nun doch nicht direkt in Tanger einlaufen können. Wir müssen vor Tanger erst vor Anker gehen und abwarten. Dem Kapitän gefällt das nicht, denn wir sind schließlich nur mit 12 Knoten gefahren um gerade nicht vor Anker gehen zu müssen.




Montag 11.8.25 Driften im Mittelmeer
7:30 Uhr aus dem Nebel taucht die Küste von Marokko auf. Mit gemütlichen 12 Knoten schippern wir in aller Ruhe am Hafen vorbei. Ein Besuch auf der Brücke bringt Klarheit oder vielmehr Unklarheit. Es steht in den Sternen wann wir nach Tanger einlaufen dürfen. Die Angaben schwanken von heute Abend irgendwann bis vielleicht morgen Abend. Der Kapitän ist einigermaßen genervt. Vermutlich laufen die Drähte zwischen Reederei und Hafen gerade heiß, aber es wird wie so oft ohne Ergebnis bleiben. Ein Ankerplatz vor Tanger darf nur mit Lotsen angefahren werden und kostet zudem auch noch Geld. Da die See im Mittelmeer ruhig ist, vor der Enge von Gibraltar hatten wir kurzzeitig 7 Windstärken, beschließt der Kapitän weiter ins Mittelmeer hineinzufahren. Dabei sehen wir bei ruhiger See immer wieder zahlreiche Delphine springen. Aber immer wenn ich eine Foto machen will sind sie wieder weg und tauchen an anderer unerwarteter Stelle wieder auf.
Um kurz vor halb zwölf ist es dann soweit. Die Maschine wird gestoppt und dann ganz ausgemacht. Lautlos treiben wir im Mittelmeer. Eine Küste ist nirgendwo zu sehen, denn wir müssen 12 Seemeilen Abstand halten. Ein Blick aufs Radar zeigt, wir sind nicht die Einzigen. Zahlreiche Schiffe dümpeln in gebührendem Abstand zueinander in der ruhigen See und warten und warten…
30 Grad und 98% Luftfeuchtigkeit, puh. Zum Glück ist es im Schiff angenehm klimatisiert, nicht zu kalt, einfach gut auszuhalten. Im Laufe des Tages taucht am Horizont die Silhouette der spanische Berge auf und im rechten Winkel dazu sieht man manchmal kurz den Affenfelsen von Gibraltar durch den Dunst. Damit ist einigermaßen ersichtlich wo wir uns befinden. Internet gibt es nicht. Der Empfang reicht selten mal für „einen Balken“ um eine schnelle Textmeldung abzusetzen. Bei meinem nachmittäglichen Rundgang sind einige Matrosen am Streichen und ich frage den Bootsmann Noel, ob ich auch einen Pinsel in die Hand nehmen soll? Er schüttelt heftig den Kopf und sein Blick verrät mir, er hält es für keine gute Idee und es würde die Arbeit nicht schneller voranschreiten lassen.
17:00 Uhr Abendessen. Es gibt noch keine Neuigkeiten und die Laune des Kapitäns ist nicht besser geworden, also Klappe halten und abwarten.
Um 22 Uhr überschlagen sich die Ereignisse. Unser Liegeplatz in Tanger wird frei, hat der Kapitän über Funk mitbekommen und meldet uns sogleich an. Die Verkehrssteuerung für Tanger fühlt sich zwar etwas überrumpelt, aber wir dürfen schon mal los fahren. In langsamer Fahrt geht es Richtung Tanger. Kurz vor Gibraltar wird es voll und dazu zieht auch noch Nebel auf. Es ist kaum Sicht und der Kapitän hängt förmlich am Radar und schlängelt sich geschickt durch den Verkehr auf die andere Seite der Straße von Gibraltar nach Tanger. Der Lotse soll um 0:30 Uhr kommen, er kommt aber fast eine Stunde später. Und schon gibt es den nächsten Stress, der Lotse besteht auf einen Schlepper, der Kapitän hält das für vollkommen überflüssig. Nach hitziger Diskussion einigt man sich auf Schlepperbegleitung ohne Leinenverbindung. Und natürlich muss der Schlepper nicht eingreifen. Souverän steuert unser Kapitän unser Schiff in die enge Parklücke. Um 1:45 Uhr sind wir endlich fest.











Dienstag 12.8.25 Tanger – Gibraltar
Als ich um acht Uhr aufstehe, muss ich ja erst einmal „Afrika“ begutachten. Als ich die Gangway runter ging, um ein Foto vom Schiff zu machen, kam sofort Security angeschossen und wies mich zurecht, weil ich keinen Helm aufhatte. Ich durfte – unter Bewachung – schnell mein Foto machen und dann schnell wieder aufs Schiff. Das Terminal wird betrieben von Eurogate und gleicht einem Hochsicherheitstrakt. meterhohe Zäune rund um das Gelände mit lückenloser Videoüberwachung, unzählige Security Mitarbeiter auf dem Gelände, aber auch verdammt viele Arbeiter, die direkt nach unserer Ankunft mit dem Entladen begonnen hatten. Es war ziemlich gut organisiert. Um 11 Uhr sind wir fertig entladen, neue Container gibt es hier nicht. Unser Schiff war ziemlich leer. Der Lotse kommt um 11:15 und es gibt dieselbe Diskussion um einen Schlepper. Diesmal setzt sich der Kapitän durch und 15 Minuten später sind wir in der Straße von Gibraltar. Und wieder dasselbe Spiel. Sonne auf marokkanischer Seite, dichter Nebel in der Mitte und wieder Sonne kurz vor Gibraltar. Der Lotse von Gibraltar – wahrscheinlich gibt es nur den einen – war schwer beschäftigt und hatte keine Zeit. Also dümpelten wir eine Stunde vor Gibraltar herum und warteten. Ausgiebig konnten wir hunderte von Delphinen bei der Jagd nach Fisch beobachten. Um 14:15 Uhr kommt dann endlich der Lotse und um 14:40 Uhr sind wir im Hafen fest. Dieser Hafen ist etwas besonderes. Der Kai ist nur 90 Meter lang, unser Schiff aber 139m. Es guckt also hinten gut 30 Meter über. Und genau am Heck befindet sich die Gangway. Wer also von Bord will, der muss Mitschiffs die Lotsenleiter rund 6 m nach unten kraxeln. Offiziell ist es den Passagieren eigentlich verboten, aber der Kapitän sagt ‚auf eigene Gefahr und nur wenn ich es nicht sehe‘. Und so machen Torsten und ich uns dann an den Abstieg der gut verläuft. Nun geht es in die Stadt, bei gut 34 Grad. Es ist rund 20 Minuten Fußweg und hier in Gibraltar ist es ausnahmsweise mal überhaupt kein Problem aus dem Hafen herauszukommen.
Und plötzlich ist man in Groß Britannien, rote Telefonzellen, rote Briefkästen, Bobby‘s als Polizei und man bezahlt in GBP. Es gibt zwar Rechtsverkehr wie überall in Europa, aber damit die Briten das hinbekommen, gibt es fast ausschließlich Einbahnstraßen. Wir bummeln über den zentralen Platz und dann die Einkaufsstraße einmal rauf und wieder runter. Wir finden ein nettes Weinlokal – very british – mit einem schattigen Plätzchen, nehmen ein Glas Wein und etwas Käse, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Um halb sieben erreichen wir das Schiff und nun heißt es die 6 m Lotsenleiter wieder hoch. Oben erwartet mich schon Noel, der Bootsmann und hofft, dass der alte Mann das auch schafft. Er schafft es und es gibt ein Gipfelfoto.
Der Tag war doch anstrengend und so gehe ich heute noch vor der Abfahrt ins Bett.




























Mittwoch 13.8.25 Cadiz – Huelva
Um kurz nach sieben Uhr sind wir in Cadiz fest. Wir können noch in Ruhe frühstücken und wollen uns dann trotz der angekündigten 35 Grad in die Stadt aufmachen. Um halb neun starten wir vom Schiff, kommen aber nicht weit. Direkt beim Schiff werden wir von der Guardia Civil angehalten. Kurzes Interview und dann werden erst einmal unsere Rucksäcke durchsucht und die Ausweise kontrolliert. Nachdem wir offenbar keinen Anhalt für Drogenschmuggel boten, werden wir in die Stadt entlassen. Doch leider ist das Drehkreuz verschlossen. Und so kann uns die Polizei gleich helfen. Ein Anruf bei der Hafenverwaltung und das Drehkreuz wird geöffnet. Hoffentlich kommen wir später ebenso unkompliziert wieder rein.
Die Stadt ist noch ruhig, aber es werden schon überall die Cafés geöffnet. Wir schlendern durch die Gassen zur zentralen Markthalle. Die Stände werden für die Kundschaft vorbereitet und die Ware präsentiert. Am spannendsten sind die Fischstände. Es ist einfach unglaublich wie viele Fischsorten es im Angebot gibt. Weiter geht es zur Kathedrale, zum Meer und wieder durch die Gassen. Wir lassen uns etwas ziellos treiben. Wir stoppen an einem der typischen kleinen Straßencafés bei denen man einfach auf der Straße sitzt. Zwei Kaffee und zwei Wasser macht 7 Euro. Weiter schlendern wir Richtung Parco Genovese, aber es ist einfach zu heiß zum Schlendern. Und so machen wir uns langsam auf den Rückweg zum Schiff. Um halb zwei sind wir wieder am Schiff und genießen unsere leicht klimatisierten Räumlichkeiten.
Den Nachmittag verbringe ich mit lesen und etwas Recherche welche mögliche Route für die Henneke Rambow im Mittelmeer denn schön wäre. Ich werde allerdings nicht wirklich fündig.
Um 20 Uhr ist die Beladung beendet und es geht weiter nach Huelva. Dort werden wir eigentlich schon um 21 Uhr erwartet, aber das ist auch mit 19 Knoten nicht zu schaffen. Um 22:40 Uhr sind wir beim Lotsen und um 23:20 Uhr fest. Die Ent- und Beladung beginnt sofort, denn schon um 4 Uhr soll es weitergehen nach Ferrol
































Donnerstag 14.8.25 Auf See
Zum Frühstück geht die Sonne auf. Wir befinden uns querab von Faro in Portugal. Der Schwell aus dem Atlantik ist deutlich zu spüren, das Schiff rollt, aber es ist ingesamt doch eine entspannte Fahrt. Die Wettervorhersage verspricht 26-28 Grad und es ist damit deutlich kühler als die letzten Tage. Im Laufe des Tages nimmt der Schwell ab. Immer wieder sind Delphine auf der Jagd zu beobachten. Leider gibt es auch heute keinen wirklichen Sonnenuntergang. Die Sonne verschwindet einfach im Dunst.





Freitag 15.8.25 Ferrol
Als ich um sieben Uhr aufwache, zeichnet sich schon ein leichter Streifen des Sonnenaufgangs am Horizont ab. Aber es ist – wie immer – dunstig und die Sonne kämpft sich nur mühsam durch.
Mit flotten 17 Knoten gleiten wir Richtung Norden. Die See ist recht ruhig, nur der übliche Schwell aus dem Atlantik kommt uns entgegen. Ab und zu sieht man die Delphine jagen und das ein oder andere Schiff ist am Horizont zu sehen. Wir befinden uns ja auch auf einer der Hauptseefahrtsrouten. Seit der Suezkanal und das Rote Meer für viele westliche Schiffe zu gefährlich ist, fahren diese um das Cap der Guten Hoffnung (Südspitze Afrika) und da müssen sie genau hier lang. Gegen Mittag taucht Land aus dem Dunst auf. Wir nähern uns der nordspanischen Küste. Nach dem Verkehrstrennungsgebiet Finistere ‚biegen‘ wir rechts ab, Richtung Ferrol. Der Lotse erwartet uns schon und so sind wir um halb zwei fest am Terminal. Mit südländischer Gelassenheit tauchen so nach und nach Leute auf und bereiten die Entladung vor. Die Containerbrücke muss ganz ans Ende, damit sie unser Schiff bedienen kann. Offenbar geschieht das nur selten, denn das Stromversorgungskabel lässt sich nur schwer und nur unter Zuhilfenahme von zwei kräftigen Mitarbeitern entrollen. Aber schließlich ist die Brücke in Position. Es muss ein Container runter, 8 Container müssen umgesetzt und 53 wieder aufgeladen werden. Das sind dann 62 Moves. Wenn alle gut zusammenarbeiten schafft ein Kran bis zu 45 Moves pro Stunde, so habe ich es z.B. in Riga erlebt. Hier komme ich schließlich auf 15 Moves pro Stunde.
Aber wir haben ja keine Eile. Unser nächster Stopp ist Tilbury in Groß Britannien. Dort will man uns erst am Montag mittags am Lotsen haben. Für die Strecke von rund 700 Seemeilen stehen uns also rund 70 Stunden zur Verfügung. Damit ergibt sich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8-10 Knoten.
Und so tuckern wir um 18:30 Uhr mit 10 Knoten Richtung Norden in die Biscaya.











Samstag 16.8.25 Auf See in der Biscaya
Es gibt wieder keinen richtigen Sonnenaufgang. Es wird einfach hell und irgendwann taucht dann die Sonne am Himmel auf. Ich frühstücke etwas später, gerate dadurch aber mit dem Reinigungsdienst in Konflikt und verziehe mich daher zügig in meine Kammer. Um kurz nach acht Uhr wird die Maschine plötzlich langsamer und wir kommen ganz zum Stehen. Der Kapitän hat entschieden eine Zeit lang in der Biscaya einfach zu driften, um dann mit etwas mehr Geschwindigkeit weiterfahren zu können. Gerade in verkehrsreichen Gebieten, wie dem Ärmelkanal ist es einfacher zu fahren, wenn man neben dem Kurs auch noch die Geschwindigkeit als Variable hat um anderen Schiffen auszuweichen.
Und so treiben wir in der Biscaya auf 45° 35.8925 N und 7° 15.7615 W. Die Drift beträgt etwa einen Knoten. Die größeren Wellen schlagen schonmal heftiger gegen das Schiff, aber ansonsten ist alles ruhig. Allerdings meldet sich schon nach wenige Minuten der Charterer CMA-CGM per Mail warum die Maschine gestoppt wurde. Und nach einer halben Stunde kommt ein Anruf von der französischen Marine, ob wir Probleme haben und Hilfe benötigen. Man wird doch auch mitten auf dem Meer gut überwacht.
Heute ist Samstag, das heißt die Innenräume werden gereinigt und zum Mittagessen gibt es Eintopf. Also mache ich auch ein wenig „klar Schiff“ in meiner Kammer und genieße ansonsten die inzwischen sonnige und warme Biscaya. Den ganzen Tag ist nichts zu sehen, kein Schiff, keine Delphine und auch kein Wal. Wir sind ganz allein. Ein merkwürdiges Gefühl.
Kurz nach dem Abendessen, springt die Maschine an und um kurz vor sechs Uhr setzen wir uns dann wieder in Bewegung. Mit jetzt rund 13 Knoten geht es Richtung Ärmelkanal.







Sonntag 17.8.25 Auf See
Zum Frühstück befinden wir uns kurz vor der Einfahrt zum Ärmelkanal. Er ist jedoch so breit, dass weder England noch Frankreich zu sehen sind. Die nächste Küste ist Brest und von dort gibt es auch ein zartes Internetsignal, das aber nach kurzer Zeit wieder verschwindet. Wir haben recht starken Gegenwind, der im Laufe des Tages auf 6 – 7 Windstärken ansteigt. Aber von vorn ist das gut auszuhalten. Höhe Guernsey gibt es dann noch mal Internet, aber Land ist zu keiner Zeit zu sehen.




Montag 18.8.25 Tilbury
Zum Frühstück passieren wir die Enge Dover – Calais. An der Lotsenstation für die Themse sollen wir um 13 Uhr sein. Nach dem Frühstück gehe ich auf die Brücke. Und dort sehe ich wie ein Lotsenboot vom Festland auf uns zuhält. Es gab gestern noch eine Änderung. Statt von der Lotsenstation Themse, nehmen wir den Losten bereits um 9 Uhr vom Festland auf. Es kommen ein Lotse und ein Assistent (vermutlich in Ausbildung) an Bord. Beide in weißem Hemd mit dunkler Krawatte und diversen Abzeichen. Sieht schon schick aus. Unser Kapitän in T-Shirt und Jeans fällt dagegen etwas ab. Die beiden lassen sich dann über die Gegebenheiten des Schiffes aufklären, obwohl die notwendigen Informationen schon vorher per Email mit der Anmeldung übermittelt wurden. Dann erklärt der Lotse, dass wir die Nordroute nehmen, wegen des Tiefgangs. Der Kapitän hält das zwar für nicht notwendig, fügt sich aber der Empfehlung des Lotsen. Vermutlich soll der Assistent die Nordroute lernen. Das bedeutet ein rund 30 Seemeilen längerer Weg. Wir sollen dann um 17 Uhr Schiffszeit (16 Uhr Ortszeit) fest sein. Es wird also eine lange Anfahrt. Auf der Themse werden wir dann schon immer langsamer und kurz vor Tilbury schleichen wir mit nur noch 6 Knoten. Der Lotse will eben um Punkt 17 Uhr fest sein und so wird es dann auch.
Schon kurz nach der Ankunft wird mit der Entladung begonnen. Es gibt viel zu tun. Es müssen 200 Container runter und 150 neue wieder raufgebracht werden. Bis 23 Uhr wird gearbeitet. Ich verbringe den Abend mit Bericht schreiben und lesen.










Dienstag 19.8.25 Tilbury und Nordsee
Bereits um 4 Uhr nachts wird wieder mit der Arbeit begonnen. Zum Frühstück hat sich das Bild der Container schon deutlich verändert. Und ausnahmsweise ist auch der Kapitän beim Frühstück dabei. Er ist zuversichtlich, dass wir hier pünktlich um 15:15 Uhr wegkommen. Und tatsächlich ist die Beladung um 14:30 Uhr abgeschlossen. Pünktlich um 15:15 Uhr steht der Lotse auf der Brücke und es geht los, die Themse abwärts. Höhe Ramsgate steigt der Lotse bei 5 Windstärken um, auf den Versetzer und wir nehmen direkten Kurs auf die Elbmündung





Mittwoch 20.8.25 Hamburg
Die Nacht ist recht unruhig. Es ist zwar nicht so viel Wind, aber dafür ist der Schwell in der Nordsee heute recht unangenehm. Nach dem Frühstück wird der „Seesack“ gepackt und die Kammer sauber gemacht. Die Crew wird zwar auch noch einmal durchgehen, aber ich möchte nicht das die Jungs meinen Dreck weg machen. Auch das Schiff wird von innen und außen noch einmal von oben bis unten sauber gemacht, es läuft ja schließlich seinen Heimathafen an.
Gegen 16 Uhr passieren wir Cuxhaven und haben einen wunderschönen Anlauf nach Hamburg in der untergehenden Sonne. Mit dem Dampfeisbrecher Stettin liefern wir uns kurz vor Hamburg noch ein kleines Rennen (inkl. Hornbattle) und um kurz nach 21 Uhr sind wir dann am Steinweg Süd-West Terminal fest. Elke erwartet uns schon am Anleger und so geht eine wunderbare Reise nun leider zu Ende.




















Ein sehr schöner Bericht.
Noch schöner ist, das Sie jetzt mit dem Frachtschiff MS Beat unterwegs Richtung Dänemark usw. sind. Auf diesem Bericht warte ich jetzt schon gespannt, weil ich ebenfalls eine Frachtschiffreise, auch auf der MS Beate, für Ende April 2026 gebucht habe.
Ich bin sehr gespannt. Weiterhin eine gute Reise auf der Beate.
LG Rüdiger Fett
Hallo Rüdiger, vielen Dank für den netten Kommentar und viele Grüße von der Beate. Wir liegen seit heute Mittag auf Reede vor Fredericia und werden wohl erst morgen Nachmittag einlaufen können. Den Bericht von dieser Reise gibt es wohl Mitte/Ende nächster Woche. Wenn du Fragen hast, melde dich gern bei mir.
LG Jens