11-2025 Bianca Rambow


Vorgeschichte

Gebucht war die Reise ab ca. 20.10.2025. Die Bianca Rambow ging in die Werft nach Bremerhaven und es sollte die erste Reise nach dem Werftaufenthalt sein. Die Arbeiten dauerten jedoch länger als erwartet. Am 28.10. wurde sie schließlich ausgedockt und ging auf Probefahrt. Ich sollte am 29.10. einsteigen. Die Probefahrt verlief jedoch nicht erfolgreich und so verschob sich der Einstieg erneut. Am 30.11. am frühen Abend kam dann der Anruf von Kapitän Kasan, am Freitag Vormittag kann ich einsteigen.

Freitag, 31.10.2025 Bremerhaven – Hamburg

Da heute Feiertag ist, fährt Elke mich zum Terminal. Das ist natürlich sehr bequem. Gegen 10:30 Uhr erreichen wir das Eurogate Terminal in Bremerhaven. Es ist nur wenig Betrieb und so kommt der Shuttle, der mich zum Schiff bringt sehr schnell. Ich bin auch der einzige Fahrgast.

Auf dem Schiff werde ich vom Matrosen der Gangwaywache begrüßt und direkt zum Offizier gebracht. Das Gesicht erkenne ich sofort. Es ist der Second Mate von meiner letzten Reise auf der Bianca Rambow vor einem Jahr. Inzwischen ist er Chiefmate, also erster Offizier. Ich richte mich zunächst in der Kammer ein und gehe dann auf die Brücke, wo ich den Kapitän finde. Ich stelle mich kurz vor, aber er sitzt am PC um E-mails zu beantworten und so gehe ich direkt nach unten und stelle mich dem Koch vor. Es ist auch schon Zeit für meine erste Mahlzeit an Bord.
Am Nachmittag schaue ich dem Beladen des Schiffes zu und dem doch recht ruhigen Treiben am Terminal.

Um kurz nach 22 Uhr sind wir fertig beladen. Das Schiff ist nicht einmal halb voll, aber es war vorher ja auch komplett leer. Um Mitternacht springt die Maschine an und ich gehe noch einmal auf die Brücke um die Abfahrt zu verfolgen. Um halb eins bin ich dann aber in der Koje.

Samstag, 1.11.2025 Hamburg

Morgens um halb sieben zeichnet sich ein schöner Sonnenaufgang am Horizont ab und so gehe dich direkt auf die Brücke. Wir sind bereits kurz vor Brunsbüttel. Nachdem die Sonne aufgegangen ist, geht es zum Frühstück und danach direkt wieder auf die Brücke. Die Einfahrt nach Hamburg ist immer wieder schön. Bei der Passage des Airbus Flugplatzes beglückt uns noch ein ‚Beluga‘. Pünktlich um kurz vor 11 Uhr sind wir am Eurogate, aber unser Liegeplatz ist noch besetzt. Also warten wir kurz und tauschen dann mit der Elbsun den Liegeplatz. Die Beladung beginnt sofort. Am Nachmittag steigt der zweite Passagier zu und nach dem Lunch um halb sechs verholen wir zum CTB Burchardkai. Wir liegen am Athabaskakai direkt am Elbfahrwasser.
Um 22:30 Uhr verholen wir erneut und es geht den Köhlbrand hinauf zum CTA in Altenwerder. Nun muss ich aber in die Koje, denn morgen wird es früh weitergehen.

Sonntag, 2.11.2025 Hamburg – Nordsee

Um 6:30 Uhr starten wir in Altenwerder. Direkt vor uns hat die Callao Express von Hapag Lloyd abgelegt und ihr werden wir nun bis weit in die Nordsee hinein folgen. Zunächst geht es im ersten Morgenlicht unter der Köhlbrandbrücke hindurch, dann auf die Elbe und elbabwärts. Beim Süllberg in Blankenese ist es bereits hell. Der Lotse hat uns in Teufelsbrück verlassen, da Kapitän Kasan Freifahrer ist. Ich genieße die Fahrt auf der Elbe. Es ist recht viel Verkehr und es gibt daher viel zu sehen. Um 11:30 Uhr passieren wir die Kugelbake in Cuxhaven und es geht auf die Nordsee. Kurz vor Helgoland verlassen wir die Callao Express und biegen ab nach Norden. Im Laufe der Nacht wird die See etwas unruhiger und der Seegang ist deutlich zu spüren. Trotzdem verbringe ich eine ruhige Nacht.

Montag, 3.11.2025 Drammen

Zum Frühstück sind wir bereits kurz vor dem Oslofjord. Der markante Leuchtturm Færder Fyr ist bereits zu sehen. Es geht ein Stück den Oslofjord hinauf, wir kreuzen die Fährverbindung Moss – Horten und biegen dann links ab Richtung Drammen. Eine Stunde später passieren wir die Enge bei Svelvik. Eine sehr beeindruckende Fahrt, quasi mitten durch den Ort. Kurz vor Drammen kommt Nebel auf. Der Anleger liegt in dichtem Nebel, nur die Spitzen der Kräne schauen heraus. Das Anlegemanöver meistert der Kapitän souverän und um 12 Uhr sind wir in Drammen fest.

Um 18:30 geht es wieder los, zurück durch den Sund bei Svelvik. Diesmal bei Dunkelheit und Regen. Im Skagerak wird die See wieder ruppig, aber es ist ja nur ein kleines Stück bis wir wieder in den Fjord abbiegen und um 23:30 Uhr sind wir in Larvik fest.

Dienstag, 4.11.2025 Larvik

Wir werden den ganzen Tag bis spät in die Nacht in Larvik liegen, obwohl die Ent- und Beladung schon direkt nach der Ankunft begonnen hat. Eine gute Gelegenheit für einen Landgang. Das ist nun aber leider nicht mehr so einfach. Seit Mitte September gibt es eine Direktive der Seefahrtsdirektion in Oslo, dass alle Personen von Seeschiffen die in Norwegen an Land gehen, bei der örtlichen Polizei angemeldet werden und von dort eine Genehmigung erhalten müssen. Das Problem ist nur, das die örtlichen Polizeistationen offenbar nicht so recht wissen was sie tun müssen. Unser Personendaten wurden der Polizeistation auch schon gestern per E-mail übermittelt. Nach dem Frühstück gibt es erst eine kurze Führung durch den Maschinenraum durch den zweiten Ingenieur und um neun Uhr wollten wir dann eigentlich los. Der Chiefmate rief mehrmals bei der Polizei an um die Genehmigung einzuholen und immer hieß es ja wir kümmern uns und rufen sie zurück. Erst um 11:15 gelingt es dem Chiefmate die Auskunft zu bekommen. Es heißt ganz lapidar: ‚Na dann sollen sie mal gehen‘. Sehr merkwürdig.
Nun müssen wir nur noch vom Terminal runter, denn eine Shuttle gibt es hier nicht. Der Chiefmate schickt uns zu Gangwaywache, die geht mit uns zum Vormann der Lademannschaft am Kai. Und der freut sich, dass ich norwegisch spreche und veranlasst, dass das Terminal das kleine Tor 5 öffnet, das nur 100m vom Schiff entfernt liegt. Und so kommen wir raus.

Bis in die Innenstadt sind es rund 45 Minuten zu laufen. Wir schauen uns ein wenig in der „City“ um, stärken uns in einer Bäckerei und gehen dann einen anderen Weg zurück. Dabei erklimmen wir den Hausberg (33m) mit Blick über den Hafen und die Fjorde, besuchen ein alte Bunkeranlage aus dem zweiten Weltkrieg und finden den ‚Fuchsstieg‘ einen neu angelegten Wanderweg am Meer.

Am Nachmittag geht es zurück zum Schiff. Nun müssen wir wieder ins Terminal. Kurz vor dem Tor 5 rufe ich auf dem Schiff an. Der Chiefmate informiert den Matrosen und setzt so die „Befehlskette“ in Gang. Der Matrose geht zum Vormann, dieser ruft das Terminal an und wie von Geisterhand öffnet sich das Tor direkt als wir ankommen. Wir müssen also nicht über den Zaun klettern 😉

Nach dem Abendessen erfahren wir, dass es eine Fahrplanänderung gibt. Wir werden zwar heute nacht fertig beladen sein, aber der Anleger in Kristiansand ist besetzt. Wir werden also morgen hier am Kai liegen bleiben und erst abends um ca 21:30 ablegen und dann über Nacht in Ruhe nach Kristiansand fahren. Um sechs Uhr am Donnerstag werden wir dort erwartet.

Damit verschiebt sich natürlich auch unsere Ankunft in Hamburg.

Mittwoch, 5.11.2025 Larvik

Es ist grau in grau und immer wieder regent es. Ein Tag zum Entspannen und Lesen. Nur die Besatzung muss natürlich arbeiten. An so einem Schiff gibt es immer etwas zu malen oder Instand zu setzen. Außer einem Gang ums Schiff und ein paar Meter am Terminal mache ich nichts weiter.
Um 21:00 bin ich mal auf der Brücke und eine halbe Stunde später startet die Maschine und es geht nach kurzer Fahrt im Fjord, hinaus aufs dunkle Skagerak.

Donnerstag, 6.11.2025 Kristiansand

Um 5:00 Uhr morgens fahren wir in den Fjord nach Kristiansand ein. Ich bin auf der Brücke. Es ist ein sehr enges Hafenbecken in das wir rückwärts einparken. Dafür liegt es fast direkt an der Innenstadt von Kristiansand. Um 6 Uhr sind wir fest.
Nach dem Frühstück um 9 Uhr starten mein Mitpassagier und ich zum Landgang. Das Gate ist mit einem Code gesichert, den wir bekommen, und es ist nur wenige Meter vom Schiff entfernt. Laut Chiefmate müssen wir uns zuerst bei der Polizei melden. Die Polizeiwache befindet sich gegenüber vom Bahnhof, etwa 10 Minuten Fußweg vom Terminal. Wir ziehen dort eine Nummer und warten bis wir aufgerufen werden. Leider weiß die gute Dame überhaupt nichts mit unserem Anliegen anzufangen. Nach einer telefonischen Rückfrage werden wir zu einem anderen Schalter geleitet. Dort kommt dann extra ein anderer Mitarbeiter, der unsere Pässe prüft und uns dann mit besten Wünschen entlässt.

Wir gehen zunächst die Fußgängerzone hinauf, finden dort einen Vorschlag für einen Rundweg, dem wir weitgehend folgen. Innerhalb von fünf Minuten sind wir aus der Fußgängerzone in ein riesiges, wunderschönes Naherholungsgebiet (Baneheia) gekommen. In einer Schleife geht es zurück in die Stadt, in den Altstadtbereich Posebyen. Von dort hinunter zum Fluß, ins alte Fischereiviertel und wieder in die Fußgängerzone. Nach einer Stärkung in einer Bäckerei erforschen wir das Fischereiviertel noch einmal etwas genauer und schlendern schließlich zurück zum Schiff. Um kurz nach zwei Uhr sind wir wieder an Bord. Ein wunderbarer Ausflug.

Da wir erst um 02:00 Uhr hier starten sollen, werde ich die Abfahrt wohl in der Koje verbringen.

Freitag, 7.11.2025 Kristiansand – Hamburg

Die Maschine startet sogar schon um 23 Uhr. Aber ich bleibe lieber in der Koje. Als ich zum Frühstück runtergehe, sind wir schon vor der dänischen Küste Höhe Hanstholm. Es ist ruhige See, aber sehr trüb und so bleibt es auch. Da wir entlang der dänischen Küste und nicht den Skagerak-Nordseeweg fahren, gibt es kaum etwas zu sehen. Die Küste ist zu weit weg und andere Schiffe sind hier kaum unterwegs.
Als wir Helgoland passieren wird es sehr nebelig und so bleibt es auch bis in die Elbmündung. Höhe Stadersand gehe ich auf die Brücke, denn die Einfahrt nach Hamburg ist immer wieder schön.

In Blankenese kommt der Hafenlotse an Bord. Wir fahren erst am unserem Liegeplatz am Athabaskahöft vorbei, denn zunächst müssen wir einen Aufkommer aus dem Köhlbrand vorbeilassen, bevor wir auf der Elbe drehen können. So drehen wir dann im Vorhafen und kehren zum CTB zurück, wo wir um 23.30 Uhr fest sind.

Samstag, 8.11.2025 Rückfahrt

Nach dem Frühstück verabschiede ich mich vom Kapitän, den Offizieren und der Crew. Der Shuttle vom Terminal kommt superschnell und um kurz nach neun Uhr bin ich draußen. Ein kurzer, flotter Fussmarsch zum Zollamt Waltershof, wo ich dann den Bus nach Wilhelmsburg nehme, weiter nach Harburg und von dort mit dem ICE. Um Kurz nach Mittag bin ich wieder in Bramsche.

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2 Kommentare

  1. Moin, du scheinst ja jetzt Dauergast auf See zu sein. Wie ist das am 24.12.? Mit Glühwein und Weihnachtsbaum vor Spitzbergen? 🙂

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