Donnerstag, 22. Januar 2026 Anreise
Die Anreise war diesmal sehr bequem, denn nach einem Besuch bei meinem Bruder in Hamburg brachte er mich direkt zum Eurogate. Zufälligerweise treffen wir dort auf die Reisende, welche gerade von der Skalar ausgestiegen ist. Mein Bruder nimmt sie freundlicherweise direkt mit zum Bahnhof.
Schon nach kurzer Zeit kommt der Shuttle und bringt mich und 3 Matrosen zur Skalar.
Der Zustieg ist sehr schwierig, da durch den lang anhaltenden Ostwind extremes Niedrigwasser herrscht. Die Gangway funktioniert nur von oben nach unten und ist schon am höchst möglichen Punkt angebracht. Trotzdem verläuft sie quasi waagerecht zum Kai. Wir können das Gepäck daher direkt hinüberreichen.
Dann geht es auf die Kammer und erst einmal überall vorstellen. Der Chiefmate Valerij ist derselbe wie letztes Jahr und er erkennt mich auch direkt. Auch den Chief Oleksandr kenne ich aus dem letzten Jahr. Der Zweite Offizier Vadym ist neu für mich, aber sehr freundlich.
Und dann natürlich Kapitän Lienau, wir kennen uns von meiner allerersten Frachtschiffreise im April 2024. Es gibt viel zu erzählen, aber wir haben ja Zeit.





Freitag, 23. Januar 2026 Hamburg
Mitten in der Nacht um 01:00 Uhr heißt es Umparken zum CTB (Terminal Burchardkai), aber das schaue ich mir nur nur aus der Kammer an.
In der früh um 06:00 Uhr bin ich dann aber auf der Brücke. Wir verholen weiter zum CTA (Terminal Altenwerder). Es schwimmt sehr viel Eis am CTA und daher ist es schwierig anzulegen. Wir müssen immer wieder etwas vor und zurück um das Eis zwischen Schiff und Kai „wegzuspülen“





Um 14:30 Uhr verholen wir dann zum CTT (Terminal Tollerort). Es ist recht viel Verkehr auf dem Köhlbrand und durch das Treibeis sind die Manövrierfähigkeiten der Schiffe etwas eingeschränkt. Es ist also hohe Konzentration erforderlich.







Um 19:20 Uhr, wir sind fertig und können los nach Antwerpen. Wieder einiges los auf der Elbe und dann plötzlich Vollsperrung, denn die 400m lange Ever Art sollte eigenlich am CTB parken, kommt aber wegen Niedrigwasser nicht ran und wird spontan zum CTT weitergeleitet. Wir sind aber schon auf der Elbe und können nicht mehr zurück oder ausweichen. Mit Sondergenehmigung der Polizei und Absprache mit den Lotsen auf der Ever Art geht es auf der eigentlich gesperrten und hier zu schmalen Elbe sehr dicht an der Ever Art vorbei. Es ist faszinierend zu erleben mit welcher Ruhe und Präzision diese kritischen Manöver absolviert werden.





Kurz nach 22 Uhr bin ich müde und gehe auf die Kammer. Kapitän Lienau muss noch bis weit nach Mitternacht auf der Brücke wachen.
Samstag, 24. Januar 2026 Nordsee
Nach dem Frühstück gehe ich auf die Brücke. Ab acht Uhr hat der Kapitän wieder Wache. Wir sind auf der Nordsee kurz vor Texel, also schon in Niederländischen Gewässern. Um 15:40 Uhr wir passieren die Stena Line von Hoek van Holland nach Harwich und um 16:30 dann die Reede Steenbank wo rund 40 Schiffe ankern und auf die Einfahrt in die Schelde warten.





Um 17:15 kommt der Lotse an Bord. Es wird eine lange Fahrt über die dunkle Schelde. Um 18:45 wir passieren Vlissingen und um 21:15 Uhr erreichen die Hafenschleuse. Die Hafenbecken des Antwerpener Hafens sind alle tideunabhängig weil sie durch Schleusen von der Schelde getrennt sind. Um 22:00 Uhr sind wir aus der Schleuse raus und es geht zum Terminal, wo wir um 22:45 Uhr fest sind am Terminal im Bevrijdingsdok.







Sonntag, 25. Januar 2026 Antwerpen
Ein ruhiger Sonntag Morgen, Erst spät kämpft sich die Sonne durch den Dunst. Es sind -1 Grad . In der Nacht wurde ab ca. 4 Uhr etwas geladen. Aktuell ist Pause bis Mittag. Mit Unterbrechungen wird dann immer wieder geladen. Das Schiff wird gut voll, unter anderem erhalten wir 87 Thermocontainer (sog. Reafer) mit Bananen aus Südamerika für Helsinki.
Am Abend ist unser Teil des Terminals menschenleer und ich denke es ist eine gute Gelegenheit ein Foto von der Skalar von Land aus zu machen. Doch kaum habe ich einen geeigneten Aufnahmestandpunkt gefunden, steht plötzlich ein Fahrzeug neben mir. Ein Mitarbeiter macht mich darauf aufmerksam, dass fotografieren stremgstens verboten ist. Ich mache mich also auf den Weg zurück zur Gangway und werde nochmals von der Security angehalten. Ich muss meine Fotos vorzeigen und da wirklich nur das Schiff und nicht das Terminal erkennbar ist, muss ich nichts löschen.
Um 22 Uhr geht es dann wieder los, zunächst zur Schleuse, die wir um 22:30 Uhr erreichen. Um 22:45 sind wir durch und es geht auf die Schelde Richtung Nordsee







Montag, 26. Januar 2026
Nach dem Frühstück bin ich wieder auf der Brücke, ihr wisst schon, Kapitänswache. Wir sind schon Höhe Texel auf der Nordsee. Mit 18,5 Knoten Richtung Brunsbüttel bei 6-7 Windstärken von vorn. Um 21:15 erreichen wir die Schleuse Brunsbüttel. Ich bleibe noch eine Weile auf der Brücke und dann wird es eine ruhige Nachtfahrt durch den Kanal.



Dienstag, 27. Januar 2026
Um 7:30 erreichen wir die Schleuse Kiel Holtenau. Auf dem Weg aus der Kieler Bucht begegnen uns die Stena Skaninavica und die Color Magic. Es wird eine recht ruhige Fahrt über die Ostsee, aber der Wind wird über Nacht stark zunehmen.







Gegen 21 Uhr passieren wir Bornholm und der Kapitän entscheidet den Kurs zu ändern. Wir werden Gotland auf der Westseite passieren und dadurch etwas Windschatten durch die Insel haben. Dadurch wird die Nacht für die Mannschaft etwas ruhiger.
Mittwoch, 28. Januar 2026
Am Morgen haben wir zwar 6-7 Windstärken, aber die Dünung kann sich durch den Schutz der Insel nicht so aufbauen. Erst als wir gegen Mittag die Nordspitze der Insel passieren ist die Dünung deutlich zu spüren. Trotz inwischen 7-8 Windstärken stampft das Schiff nur sehr wenig in den Wellen. Mit gut 150 m Länge und trotz fast voller Beladung nur 6,8m Tiefgang schneidet das Schiff gut durch die Wellen.





Donnerstag, 29 Januar 2026
Nachts um 3 Uhr bin ich auf der Brücke. Wir nähern uns der finnischen Küste. Unser Ziel ist der Containerhafen Vousaari. Wir fahren durch immer dichter werdende Eisschollen. Um 4 Uhr kommt der Lotse an Bord. Ein gefährliches Unterfangen bei dicken Eisschollen und minus 8 Grad. Der Hafen in Vousaari ist komplett mit Eis bedeckt. Gegen halb sechs sind wir dann ab fest am Kai.
Wir bleiben den ganzen Tag am selben Terminal. Es ist sonniges aber kaltes Wetter. Um 15 Uhr startet vom Nachbarterminal die Finnmaid nach Lübeck.







Kurz nach 18 Uhr starten wir dann wieder durchs Eis in Richtung Riga. Um kurz nach sieben verlässt uns der Lotse wieder über Jakobsleiter aufs Versetzboot.
Freitag, 30. Januar 2026
Nachdem Frühstück bin ich – wie immer – wieder auf der Brücke. Die Rigaer Bucht ist teilweise von ausgedehnten dünnem Eisfelder überzogen. Es sind minus 16 Grad und immer wieder interessante Lichtspiele der Sonne auf den Eisflächen. Um 15 Uhr nähern wir uns Riga und der Lotse kommt an Bord. Wir haben zwei Terminals hier in Riga und laufen zunächst das etwas stadtnähere Terminal an. Um 16:15 sind wir fest am BCT. Es ist bitterkalt und auf dem Fluss gefrieren die dicken Eisschollen zu einer zusammenhängenden Fläche.









Samstag, 31. Januar 2026
Bei minus 14 Grad scheint das Schiff komplett eingefroren zu sein. Aber als wir gegen 9:30 Uhr starten und zum RUT verholen, lässt sich das Schiff dann doch gut drehen. Eine knappe Stunde später sind wir dann fest am weit außerhalb der Stadt gelegenen RUT.
Um kurz nach 22 Uhr sind wir fertig und nun geht es zurück nach Hamburg. Der Lotse verlässt uns um kurz vor Elf und der nächste Stopp ist Kiel am Montag Nachmittag.







Sonntag, 1. Februar 2026 – Seetag
Sonnenaufgang um 7 Uhr und gegen 15 Uhr passieren wir die Südspitze von Gotland.
Ich werde oft gefragt, warum ich in den Häfen nicht an Land gehe. Daher möchte ich mal kurz das Prozedere beschreiben:
Nach dem das Schiff am Terminal fest ist, darf ich das Schiff erst verlassen, nachdem die Immigration an Bord war und die Pässe kontrolliert hat. Dann bekomme ich vom Schiff eine „Crewmemberlist“ welche mich als Gast des Schiffes ausweist, sonst käme ich nicht wieder zurück ins Terminal. Bei großen Terminals muss dann der Shuttle bestellt werden, der mich zum Gate des Terminals bringt. Bei kleineren Terminals darf man sich mit Helm und Sicherheitsweste auch zu Fuß auf vorgeschriebenen Wegen zum Gate machen. Meist sind das mindestens 15 – 20 Minuten Fußweg. Am Gate befindet man sich in der Regel außerhalb von allem. In Vuosaari z.B. wären dann noch weitere 10-15 Minuten zum Bus und weiter mit dem Bus zur Metrostation und dann mit der Metro 30 Minuten nach Helsinki. Und so sieht es bei den meisten Terminals aus. Zur Sicherheit muss man spätestens 2 Stunden vor Abfahrt wieder auf dem Schiff sein. Bei einer Liegezeit von 8 Stunden blieben damit maximal 4 Stunden in der Stadt, immer auf dem Sprung, das Schiff könnte anrufen, es geht früher los.
Daher gehe ich nur an Land, wenn das Schiff mindestens eine gesicherte Liegezeit von 8 Stunden hat, die tagsüber oder am frühen Abend liegt und das Terminal einigermaßen stadtnah liegt. Das war auf dieser Reise aber leider nicht der Fall.


Montag, 2. Februar 2026
Beim Frühstück befinden wir uns Höhe Rügen und haben starken achterlichen Seegang. Teils überrollen uns die Wellen von achtern und spülen Unmengen von Wasser und Eis aufs Achterdeck. Der Kapitän weißt den diensthabenden Offizier an etwas schneller zu fahren, damit das nicht passiert.
Um halb elf passiert uns die Fähre Rostock-Gedser und um 14:30 Uhr erreichen wir den Kieler Leuchtturm. Um 16 Uhr sind wir in der Schleuse Holtenau und es beginnt wieder eine ruhige Kanalfahrt,













Dienstag, 3 Februar 2026
Als ich zu Frühstück gehe sind wir bereits im Waltershofer Hafen am Eurogate fest. Nach dem Frühstück bringt mich der Shuttle zum Gate und dort seht zufällig gerade ein Taxi, das mich zum Altonaer Bahnhof bringt und so bin ich schon kurz nach Mittag wieder zu Hause.


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