07-2024 (1) Henneke Rambow


Vorbemerkung

Eine sehr außergewöhnliche Reise…
19 Tage auf einem Containerschiff…
und ja, es ist das Schiff aus der
NDR Dokumentation „Von Cranz nach Casablanca
und ja, es war derselbe Kapitän Ingo Drewes an Bord
und ja, es war dieselbe Reise wie in der Doku, nur Gibraltar statt Casablanca.

Tag 1 – Do 4.7.2024 Hamburg

Am Vormittag ging es los, mit der Bahn nach Hamburg. Das übliche leichte Verspätungschaos, aber ich war dann doch fast pünktlich am Hauptbahnhof und habe das Gepäck erst einmal in einem Schließfach verstaut. Dann ging es mit der S-Bahn runter zu den Landungsbrücken, denn ich war dort mit dem Fotografen Patrick Ludolph verabredet. Paddy betreibt den YouTube Kanal „Hamburg Hafen live„, dem ich schon lange folge. Der Kanal ist ein absolutes MUSS für alle Fans von Schiffen, Seefahrt, Häfen und Containern. Wir hatten gelegentlich Kontakt per Email und im Chat und nun konnten wir bei einem Fischbrötchen ein wenig klönen. Am Abend wollte er eine neue Technik für den Stream testen und vielleicht sollte es ja zufällig mit dem Auslaufen meines Schiffes passen.

Für mich ging es zurück zum Hauptbahnhof und von dort mit Gepäck und Taxi zum C.Steinweg Süd-West Terminal. Ich lasse mich brav am Gate absetzen, hätte aber auch reinfahren dürfen. Aber bis zum Schiff sind es nur rund 300 Meter. Das gehe ich gerade zu Fuß. An der Gangway treffe ich auf die zweite Passagierin, Gabriela aus der Schweiz. Sofort kommt ein Matrose, schnappt sich mein Gepäck und los geht es auf das D-Deck in meine Kammer. Er ist mit Gepäck fast schneller als ich ohne. Dann gehe ich erst einmal auf die Brücke, um mich beim 2. Offizier Alex anzumelden.

Ich nutze ich die Gelegenheit das Schiff zu erforschen. Es ist unglaublich gut gepflegt. Ich bin fast versucht auch an Deck sofort die Hausschuh anzuziehen. Der Liegeplatz der Henneke Rambow ist schon sehr genial. Direkt gegenüber der Elbphilharmonie am kleinen Grasbrook.

 Um 17 Uhr gibt es Abendessen und ich lerne auch Kapitän Ingo Drewes kennen. Meine Frage wann es los geht, wird klar beantwortet: „Wir brauchen keinen Lotsen, also wenn wir fertig sind fahren wir los! Wird aber noch etwas dauern“

Gegen 19 Uhr kommt eine Nachricht von Paddy, er macht den Stream vom Platz vor der Seemannsmission aus. Wenn wir also nicht zu spät ablegen, fahren wir direkt dort vorbei durch den Stream. Und so kommt es dann auch, denn kurz nach halb elf starten wir und kommen zum Abschluss seines Live-Streams an der Seemannsmission vorbei. Es gibt viele Winkehändchen im Chat und „Gute Reise Wünsche“ Das ist doch ein schöner  Start. Ich bleibe noch bis Wedel auf der Brücke. Aber um kurz nach zwölf bin ich dann doch zu müde.

Tag 2 – Fr. 5.7.2024 Nordsee

Als ich um halb sieben aufwache, sind wir schon weit draußen auf der Außenelbe. Schon in der Nacht hatte ich bemerkt, wie das Schiff gestampft hat. Wir haben etwa 6-7 Windstärken von vorn und das ist gut zu merken. Ich halte mich überwiegend auf dem Achterdeck oder in der Kammer auf. Die Stimmung an Bord ist sehr entspannt und freundlich. Das Essen ist wie immer reichhaltig und sehr lecker. . Gegen 16 Uhr wird die See ruhiger, dafür beginnt es zu regnen.

Eigentlich sollte wir um 21:00 den Lotsen für den Hafen Rotterdam bekommen, aber unser Liegeplatz ist nicht frei. Nun wird es doch 23 Uhr werden. Die Einfahrt nach Rotterdam verpasse ich daher.

Tag 3 Sa. 6.7.2024 Rotterdam

Der erste Blick aus meinem Fenster zeigt, wir liegen im Rotterdam South Terminal RST, werden gerade entladen und das Wetter ist besser.

Ab elf Uhr kehrt Ruhe ein und wieder einmal ist Zeit für eine ausgiebige Tour über das Schiff. Die Müllentsorgung ist in fast allen Häfen (außer Hamburg) in den Liegegebühren enthalten und so kann ich die Müllentsorung beobachten. Wir erhalten Schweröl von einem Bunkerschiff und da auch am Kai alles ruhig ist, kann ich auch einige Aufnahmen des Schiffes von dort machen.

Es ist 22:30 Uhr und immer noch herrscht Ruhe. Eigentlich sollten wir um 2 Uhr ablegen, aber der Kapitän geht eher von morgen früh oder sogar vormittag aus.

Tag 4 – So. 7.7.2024
Rotterdam – Ärmelkanal

Der Kapitän behält recht. Gegen zwei Uhr nachts beginnt die Beladung. Und um 8:30 sind wir fertig beladen. Eine Lotsin ist da bereits an Bord und so geht es los, vom RST die Maas hinunter bis zum Lotsenschiff auf der Nordsee. Um 10:15 geht die Lotsin von Bord und wir „biegen links ab“ Richtung Ärmelkanal. Hier ist ziemlich viel Schiffsverkehr, kreuz und quer. Die Schiffe Richtung Antwerpen kreuzen, wie auch der Schiffsverkehr nach England, unseren Weg.

Wir passieren Dover gegen 17 Uhr und danach ist etwas mehr Platz. Ich bleibe nach dem schönen Sonnenuntergang noch bis kurz vor Mitternacht auf der Brücke. 

Tag 5 – Mo. 8.7.2024
Ärmelkanal – Biscaya

Aufwachen im Regen. Es ist zwar recht ruhige See, aber es regnet und ist trübe. Wir sind immer noch im Kanal und haben heute früh Jersey passiert. Auch für die Biscaya ist schlechtes Wetter gemeldet. Erst kurz vor Bilbao soll es etwas besser werden. Um mich etwas zu orientieren bin ich ab 10 Uhr auf der Brücke. Es gibt ein paar Schiffe zu gucken. Wind und Strömung kommen von vorn. Wir machen 18,5 Knoten durchs Wasser, aber nur 14,5 Knoten über Grund. Das Schiff fährt mit voller Leistung (Verbrauch ca. 1450 l pro Std.) Aber der Charterer möchte, dass wir versuchen etwas Verspätung aufzuholen. Plötzlich tauchen rechts vorn am Schiff die ersten Delphine auf, aber sie sind genauso schnell wieder weg, wie sie da waren. Es ist recht windig und die See ist sehr ruppig, vielleicht rund 5 Windstärken.

Um achtzehn Uhr reduzieren wir das Tempo etwas, da die Strömung und auch die Dünung nachlässt. Es sind jetzt 12 Knoten über Grund und 14,5 durchs Wasser. Der Treibstoffverbrauch wird mehr als halbiert. Seit Mittag fahren wir auch mit Schweröl statt mit Marinediesel. 

Tag 6 – Di. 9.7.2024
Bilbao

Pünktlich zum Mittagessen kommen wir nach Bilbao, aber der Koch weiß Bescheid, dass wir etwas später kommen. Die Hafeneinfahrt ist unspektakulär, aber die Küste sieht trotz grauem Wetter ganz schön aus. Der Lotse kommt erst innerhalb des Hafens für die letzten Meter an Bord, aber für Ingo Drewes ist das Anlegemanöver ohnehin kein Problem.

Um 12:30 sind wir fest und genießen erst eimal den vom Koch lecker zubereiteten Lachs. Wir haben hier 185 moves, da bedeutet es gehen 170 Container runter und 15 wieder rauf. Danach wird das Schiff halb leer sein.  Eigentlich ist die Abfahrt für ca. 22 Uhr vorgesehen, aber da Spanien heute um 21 Uhr das EM-Halbfinale spielt, sind wir schon um 20:30 fertig. Der Lotse hat auch nicht so viel Lust und steigt schon nach wenigen Metern, noch im Hafenbecken., wieder um auf das Versetzboot. Es wird eine ruhige Fahrt in die graue Nacht.

Tag 7 – Mi. 10.7.2024
Ferrol

Eine ruhige Nacht, es ist kaum Wind und man spürt nur das sanfte auf und ab durch die Dünung des Atlantiks. Im Dunst ist die Küstenlinie mal mehr und mal weniger zu erkennen. Es sind einige Fischer unterwegs, nicht nur Fischerboote, sondern auch immer wieder kleine Schwärme von Möwen die nach Fisch jagen. Und dazwischen tauchen immer mal wieder einige Delphine auf, die auch auf der Jagd sind. Aber graue Delphine in dunkelgrauem Wasser bei hellgrauem Himmel sind fotografisch ein hoffnungsloses Motiv.

Der Hafen von Ferrol, also das Containerterminal liegt weit außerhalb der Stadt. Sie ist vom Terminal aus nicht einmal zu sehen. Wir dürfen bis hinter die Mole fahren und warten dort auf den Lotsen. Er kommt, als wir noch ca. 150m vom Kai entfernt sind und ist dann auch schon wieder verschwunden, als wir um halb zwei fest sind. Das Terminal hat zwei Portalkräne und genau zwei LKW, welche die Container zwischen Lagerplatz und Kai transportieren. Es ist alles sehr übersichtlich. Dafür ist es kein Problem an Land zu gehen und am Kai ein wenig auf und ab zu laufen. So sind auch ein paar Aufnahmen der Henneke Rambow von außen möglich. Wir haben hier 86 moves, 45 runter und 41 wieder rauf.

Für um 15 Uhr sind wir mit dem Chief (dem Chefingenieur der Maschine) verabredet. Er zeigt uns den Maschinenraum. Die Hauptmaschine läuft natürlich nicht, aber einer der beiden „yellow cats“, der Caterpillar Dieselaggregate, läuft und produziert neben Strom auch ausreichend Geräuschkulisse. Die Hauptmaschine, ein 9 Zylinder MAK Diesel und leistet 8400 kW. Der Motor dreht konstant mit 500 U/min und ein Getriebe reduziert die Welle dann auf max. 130 U/min. Über den Verstellpropeller wird dann die Pitsch, also der Vortrieb geregelt. Bei einem Werftaufenthalt in diesem Jahr wurde eine neue Steuerelektronik installiert, mit welche die Welle in der Drehzahl reguliert werden kann. Die Elektronik ermittelt dann stets die optimale Kombination aus Pitch und Drehzahl, was zu einer Reduzierung des Verbrauchs, aber auch der Vibrationen des Schiffes führt.

Ein sehr interessanter Rundgang. Alle Beschriftungen in der Maschine sind in deutsch und englisch, eben die deutscher Schiffsbau der Sietas Werft bei Hamburg.

Um 19:30 sind wir fertig beladen und warten auf den Lotsen. Er kommt aus der Stadt mit dem Lotsenboot herbeigeeilt, steigt aufs Schiff, wir legen ab und schon steigt der Lotse wieder aus. Ein etwas merkwürdiges Ritual. Und nun geht es erst ein Stück nach Westen bis zum Hauptfahrwasser und denn links herum Richtung Süden Kurz 197 Grad immer geradeaus bis nach Las Palmas auf Gran Canaria. Dort werden wir am Samstag früh erwartet. Wir haben also zwei volle Seetage vor uns. 

Bei der Ausfahrt aus der Bucht begleiten uns immer wieder Delphine, was ein toller Anblick ist. 

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2 Kommentare

  1. Hallo Jens, wie immer tolle Bilder und ein schöner Kommentar. Wir freuen uns auch schon auf diese Fahrt im nächsten Jahr. Bin gespannt auf den nächsten Teil.
    Kalle

  2. Hm, ist es nicht effizienter, sich so ein Schiff zu kaufen und an Container und Passagiere zu vermieten als ständig selbst zu bezahlen? Du bist ja fast nur noch auf See!

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