07-2024 (2) Henneke Rambow


Der lange Ritt…

Tag 8 Do. 11.7.2024 Auf See

Die Nacht ist ruhig, bis auf die Maschine, denn wir fahren mit voller Kraft voraus. Der Charterer möchte die Verspätung aus der letzten Reise gern wieder aufholen. Wir sind ja erst am Donnerstag, statt wie geplant am Dienstag in Hamburg gestartet. Die See ist ungewöhnlich ruhig, aber die Dünung des Atlantik verursacht ein beständiges auf und ab. Als ich um 7 Uhr aufstehe ist es noch recht dunkel und es ist sehr neblig. Erst gegen 14 Uhr verschwindet der Nebel sehr langsam.

Die Leistung der Maschine wurde inzwischen etwas reduziert. Wir machen jetzt so 16 bis 17 Knoten und dank leichtem Rückenwind kommen wir damit gut voran. Andere Schiffe sind hier kaum zu sehen, obwohl viele Schiffe jetzt nicht mehr durch den Suezkanal fahren und um Afrika herum fahren und damit in etwa den gleichen Weg wie wir nehmen. Nur Gelegentlich taucht ein anderes Schiff am Horizont auf und verschwindet auch schnell wieder. Eine gute Gelegenheit einmal die Waschmaschine auszuprobieren. Es gibt zwei Waschmaschinen und 2 Trockner. Jeweils ein Paar für Arbeitskleidung und ein Paar für saubere Wäsche? ! ? Ich beschließe die für saubere Wäsche zu nehmen. Dort gibt es ein Waschprogramm, was passend zu sein scheint. Es heißt MIX  und dauert 80 Minuten. Nach der Wäsche geht es in den Trockner und rechtzeitig zum Abendessen ist die Wäsche fertig und wieder in meiner Kammer.

Es bleib den ganzen Tag bedeckt. Es ist zwar angenehm warm, aber keine Sonne zu sehen. Gelegenheit euch auf einen kleinen Rundgang mitzunehmen auf das 1-Deck (unter dem Hauptdeck) und das Poop-Deck (wo die Messen und die Kombüse ist)

Tag 9 Fr. 12.7.2024 Auf See

Als um 6:30 der Wecker klingelt, ist es draußen noch finster. Wir sind ja auch schon sehr weit im Süden. Die Ortszeit hier ist ja auch erst 5:30 Uhr. Auf dem Schiff gibt es immer drei Uhrzeiten. Einmal ist es die UTC Also die Greenwich Normalzeit danach ist es jetzt 4:30 Uhr. Dann die Ortszeit, also die Zeitzone in der das Schiff fährt, danach ist jetzt 5:30 und dann die Schiffszeit, danach ist es jetzt 6:30. Die Schiffszeit wird nur umgestellt, wenn mehrere Zeitzonen durchfahren werden und es dann überhaupt nicht mehr passen würde.

Auf der Henneke Rambow gibt es eine Besonderheit. Die Offiziere sind aus Russland und die Decksmannschaft sind Filipinos. Aber bei jeder Mahlzeit hört man von allen und zwar ausnahmslos allen (!) ein deutliches „Mahlzeit“. Auch an Deck, wenn ich den arbeitenden Decksleuten mal wieder im Weg stehe und mich mit einem „Sorry!“ entschuldige, höre ich oft ein „alles gut“ oder „alles in Ordnung“ und morgens gibt es ein deutliches „Moin“. Kapitän Ingo Drewes spricht mit seinen Leuten natürlich englisch, lässt aber gern die ein oder andere deutsche Floskel einfließen. Und die Mannschaft hat das gern übernommen. Ein schöne Form des Respektes und der Anerkennung. Die schönste Formulierung, die ich hörte war ein: „I have to repair it, it’s very kaputt“

Mittags frischt der Wind deutlich auf, 4 bis 5 Windstärken von achtern, aber es läßt sich jetzt wenigsten mal die Sonne blicken.

Tag 10 Sa. 13.7.2024
Gran Canaria und Teneriffa

Wir erreichen Las Palmas de Gran Canaria gegen 5:30 Ortszeit, also 6:30 Schiffszeit. Es ist noch dunkel draußen. 165 moves stehen an. Nach dem Frühstück machen meine Mitpassagierin und ich uns langsam landfertig. Um Halbzehn (Schiffzeit) gehen wir mit dem Kapitän vom Schiff durch das Terminal zum Gate. Da Samstag ist, ist das Gate nicht besetzt, aber wir können uns die Türe selbst öffnen. Ist nur die Frage, wie wir wieder hinein kommen. Bis zur Innenstadt sind es gute 20 Minuten Fußmarsch. Der Kapitän biegt vorher ab, er will nur zum Supermarkt zum Einkaufen. Wir schlendern gemütlich Richtung Strand. Die Straße wird von hohen Häusern gesäumt und durch den Verkehr ist es nicht wirklich gemütlich. Es ist aber auch noch nicht viel los, denn es ist ja erst kurz nach neun Uhr Ortszeit. Der Strand ist mäßig besucht und die recht hohen Häuser gehen auch hier bis an den Strand. Auf dem Rückweg machen auch wir noch einen kleinen Einkauf, etwas Naschi für uns und für die Crew und dann noch einen Espresso im Park und dann marschieren wir zurück zum Schiff. Das Gate ist komplett verschlossen. Es kommt jedoch ein Handwerkerauto und fährt auf das Gate zu. Wie von Geisterhadn öffnet sich das Tor und wir können mit hinein – Glück gehabt. Wir kommen gerade rechtzeitig zum Mittagessen an. Es ist Samstag, es gibt Eintopf.

Um 13:45 Uhr legen wir schon ab, Richtung Santa Cruz de Teneriffa.

Es ist eine kurze Überfahrt, schon nach drei Stunden sind wir dort. Mit einer eleganten Kurve und einem rasanten Wendemanöver sind wir nach kurzer Zeit am Terminal fest. Die Beladung soll erst gegen 21 Uhr beginnen. Nach dem Abendessen um 17 Uhr überlegen wir, ob man einen  Landausflug wagen soll. Meine Mitpassagierin und ich machen uns um 18 Uhr auf den Weg. Zunächst melden wir uns beim diensthabenden Offizier ab und es geht über das menschenleere Terminal zum Gate. Dort müssen wir uns ebenfalls abmelden und nun wollen wir zur Bushaltestelle. Die Straße vor dem Gate gehört allerdings zum Hafengebiet und dieses wiederum ist vom Rest der Welt durch einen hohen Zaun getrennt. Wir laufen auf der Hafenstraße am Zaun entlang Richtung Süden, wie vom Pförtner empfohlen, aber es findet sich kein Durchlass, der offen ist. Alle sind verschlossen. Es ist ja auch Samstag Abend und nirgendwo wird gearbeitet. Zwei mal sehen wir den Bus ins Zentrum auf der Hauptstraße vorbeifahren. Nach gut 20 Minuten beschließen wir umzudrehen. Wir machen noch eine kurzen Versuch Richtung Norden, aber auch dort ist alles verschlossen. Es geht zurück zum Gate und wir bitten den Pförtner uns ein Taxi zu rufen. Er versucht es tapfer mehrere Male, aber es geht niemand ran. Inzwischen ist es halb acht. Und da das Taxi aus der Stadt sicher auch nochmal 20 Minuten braucht um hierher zu kommen, geben wir unseren Landausflug letztlich auf. Um viertel nach acht sitzen wir dann auf dem Achterdeck und lassen den Abend bei Wasser und Keksen ausklingen. Es ist angenehm mild und die Luftfeuchtigkeit ist auch deutlich niedriger geworden. Und seit kurz vor Teneriffa haben wir endlich mal blauen Himmel.

Um kurz vor neun kommt Leben ins Terminal und die Entladung beginnt. Anschließend bekommen wir einen Haufen leerer Container. Wie unser Kapitän schon sagte: Auf eine Insel bringt man immer nur was hin und kriegt nur Leergut mit. 

Um kurz vor zwei Uhr nachts ist der Ladevorgang beendet und wir starten wieder Richtung Norden. Ich mag mich aber nicht aus der gemütlichen Koje aufraffen.

Tag 11 So. 14.7.2024 Auf See

Um halb sieben klingelt der Wecker und es ist noch stockfinster draußen. Da fällt das Aufstehen schon schwer, aber um halb acht ist Frühstück und zwar pünktlich wie ich inzwischen gelernt habe. Zwar kann man offiziell bis 8 Uhr zum Frühstück kommen, aber dann erntet man durchaus schon einen strengen Blick des Kochs. Es bringt seinen Zeitplan durcheinander. 
Das gilt im Übrigen für alle Mahlzeiten. 7:30 Frühstück, 12 Uhr Mittagessen und 17 Uhr Abendessen.  Die Verpflegung an Bord ist ausgesprochen gut. Morgens gibt es auf Wunsch eine frisch zubereitete Eierspeise, Brot, Aufschnitt, auch Müsli oder Jogurt und Obst ist kein Problem. Das Mittagessen ist stets frisch zubereitet, heiß und ausgesprochen abwechslungsreich und lecker. Es gibt jeden Tag eine große Schüssel mit frischem Salat aus der man sich bedienen kann. Zum Abendessen gibt es neben Brot und Aufschnitt ebenfalls die immer volle Salatschüssel und einen warmen Snack, z.B. einen Burger oder Tortellini oder ein Stück Fleisch mit Rösti und und und.
Wem das immer noch nicht reichen sollte, der kann sich außerhalb der Mahlzeiten auch immer in der Messe am Kühlschrank bedienen. Dort stehen auch kleinen Schälchen mit Eis griffbereit.

Heute ist Seetag. Wir sind auf dem Weg Richtung Norden nach Gibraltar. Es ist warm, aber bedeckt. Mit 13,8 Knoten geht es über eine ungewöhnlich ruhige See. Etwa 3-4 Windstärken von vorn und eine milde Atlantikdünung aus West lassen das Schiff leicht auf und ab schaukeln. Die reduzierte Geschwindigkeit (bis 19 Knoten wären möglich) schiebt das Schiff fast vibrationsfrei durch die See. Ein gute Gelegenheit euch einmal meine Kammer (so heißt die Kabine auf Frachtschiffen) zu zeigen.

Die Mannschaft hat heute frei und daher ist es ruhig an Bord, kein Rost abschleifen, keine Wasserduschen um das Schiff zu reinigen und auch keine frisch gestrichenen Stellen an Bord. 

Heute ist das Endspiel der Fußball EM, aber wir sind nicht dabei. Für einen Telefonempfang sind wir viel zu weit von der afrikanischen Küste entfernt und die Satellitenanlage fürs Fernsehen funktioniert so weit südlich nicht, erst wieder nördlich von Gibraltar.
Das muss man schon aushalten können. Man muss mit sich allein sein können, denn keine Bordunterhaltung, kein Internet, kein Fernsehen, kein Radio.

Tag 12 Mo. 15.7.2024 Auf See

Um halb sieben morgens ist es immer noch dunkel, aber es zeigt sich ein erster Streifen von Helligkeit. Wir kommen langsam weiter nach Norden und weiter nach Osten. Ein weiterer Tag auf See. Aber langsam näheren wir uns der Nord-Süd Schifffahrtsroute. Denn viele der großen Schiffe auf dem weg von und nach Fernost fahren nicht mehr durch das Mittelmeer sondern außen um Afrika herum. So sehen wir nun doch ab und zu ein anderes Schiff am Horizont. Die See ist ausgesprochen ruhig, was laut Kapitän Drewes auch für diese Jahreszeit sehr ungewöhnlich ist. Der Wind kommt immer noch von vorn. Am späten Vormittag, ich bin zufällig gerade auf der Brücke, taucht an Steuerbord plötzlich ein kleiner Wal auf, der offenbar die Sonne genießt. Er läßt sich von uns nicht stören, taucht aber nach ein paar Blas dann doch lieber wieder ab.

Die See ist ruhig und der Schiffsverkehr gering. Je weiter wir uns Afrika nähern, desto eher sieht man mal ein anderes Schiff. Zeit einmal auf die Brücke zu gehen und euch die Brücke zu zeigen.

Tag 13 Dienstag 16.7.2024
Gibraltar

Bereits um 5 Uhr bin ich auf der Brücke. Wir fahren in die Einfahrt zum Mittelmeer. Es ist unglaublich viel Schiffsverkehr. Neben den ein- und ausfahrenden Schiffen vom und ins Mittelmeer, kreuzen auch noch zahlreiche Schiffe quer zwischen Gibraltar und Marokko. Kapitän Drewes ist konzentriert aber vollkommen entspannt: „ Ist doch alles recht übersichtlich heute morgen“ ist der einzige Kommentar. Für sechs Uhr sind wird beim Lotsen angemeldet und das klappt tatsächlich. Kurz vor dem Hafen wird auch noch ein Schlepper hinten angehängt, zum Bremsen erfahre ich. Erst später beim Landgang sehe ich warum. Nach zwei scharfen Kurven, eine rechts und eine links sind wir auch schon an der Pier. Sie ist unglaublich kurz. Das Schiff schaut hinten sicher ein Drittel heraus.  Jetzt ab er erst einmal frühstücken.

Kategorien:FrachtschiffreisenSchlagwörter:, , , , , ,

3 Kommentare

  1. Moin… da ich mittlerweile 78 Jahre bin, ist für mich das Reisen auf Container-Schiffen tränenreich vorbei😭

    Vera Rambow, Ida Rambow Henneke Rambow

    Ich bin als junger Mann 11 Jahre für die reederei Oldendorf zur seegefahren.

    in Famagusta war für deutsches Personal die Reise zu Ende. Die Reederei hat „ausgeflagt“, und wir einen Tritt in den Ar….ein halbes Jahr in Hamburg Bananen-Dampfer gelöscht…. War schon verheiratet und zwei kleine Kinder… also mußte Knete kommen…. Ein Kollege und ich waren Morgens 6 Uhr an der Heuerstelle, aber es gab für uns kein deutsches Schiff mehr:.. damit war die Seefahrt für mich zu Ende…40 Jahre später konnte ich meine Seefahrt als Gast ein wenig fortsetzten ich hänge sehr am Wasser und den Schiffen… sehnsüchtig hänge ich am PC und beobachte die schleusen in Brunsbüttel und Kiel

    ich blicke nicht im Zorn zurück… habe studiert und meine berufliche Laufbahn bis zur Rente durchgezogen…. Ich hätte damals nur noch ein Simester studieren müssen, und ich wäre Kapitän…. Ok. Ist alles vorbei… wenn ich in Kiel an der Schleuse stehe, kommentier heute noch die Tränen😭

    • Moin mein Lieber,
      vielen Dank für den traurigen, aber schönen Bericht. Ja, für deutsche Seeleute ist die Situation nicht wirklich schön im Moment und es sieht auch nicht nach Besserung aus. Soviel habe ich auf meinen Reisen dann doch mitbekommen. Ich mit ja erst dieses Jahr im Alter von 68 Jahren zur Seefahrt gekommen. Aber ich genieße die Reisen und schaue auch gern Schiffe. Im März 25 habe ich mich für eine Woche in Cuxhaven einquartiert, mit Blick auf Elbe. Daher kann ich deine Gefühle an der Schleuse Holtenau gut verstehen.
      Viele Liebe Grüße
      Jens

  2. Herzlichen Dank für diesen zweiten Bericht. Vieles kommt mir bekannt vor, ich glaube die BIANCA RAMBOW ist Baugleich. Das mit Begrüßungswort „Mahlzeit“ haben wir auch auf mehreren Schiffen kennen gelernt. Vieles erinnert mich an unsere Fahrten. Mit dem Wetter habt ihr ja auch Glück gehabt. Das war sicher eine schöne Reise.

    khi

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..